Die Antifa Horgau versteht sich selbst zunächst einmal als Gruppe, die sich das Ziel gesetzt hat, faschistische und neonazistische Tendenzen in der Gesellschaft zu beobachten, zu verstehen, zu kritisieren, zu bekämpfen und Gegenmodelle zu unterstützen. Konkret heißt das für uns, dass wir strikt gegen National- und Kollektivdenken sind, was für uns insbesondere auch den Lokalpatriotismus, der gerade in Horgau recht widerliche Züge angenommen hat, mit einschließt, die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Religion, ihrer Herkunft und sonstigen Eigenschaften ablehnen, uns gegen religiösen und politischen Fanatismus stellen und Autoritäten prinzipiell kritisch gegenüberstehen.
Da wir glauben, dass all diese Dinge durch die kapitalistische Einrichtung der Welt entstanden sind und entstehen, setzen wir uns, ohne dabei dogmatisch zu sein, mit kritischen Theorien zu dieser Gesellschaft, insbesondere denen von Karl Marx und seinen Nachfolgern, aber auch nicht-marxistischen Ansätzen, auseinander. Wir kritisieren den Kapitalismus aber nicht nur, weil er beständig faschistische Tendenzen hervorbringt, sondern auch, weil er auch ohne diese Tendenzen ein abschaffenswertes System apersonaler Herrschaft ist, dass die Menschen unterdrückt und über ihren Köpfen hinweg unnötige Zwänge durchsetzt und materielles und psychisches Elend, das man ohne ihn beseitigen könnte, bewirkt.
Aus dieser Grundlage leiten wir eine allgemeine Kritik an projektiven Denkformen ab, die die Missstände dieser Gesellschaft nicht in deren grundlegenden Strukturen, sondern bei Minderheiten, fremden Staaten oder geheimnisvollen Verschwörungszirkeln suchen. Die historisch wirkungsmächtigste dieser Denkformen war, und ist teilweise immer noch, der Antisemitismus, der durch deutsche Hand in die Shoa mündete.
Nicht nur den Juden, sondern allen Opfern der deutschen Vernichtungspolitik, gilt unsere Solidarität, wobei wir uns zugleich gegen alle geschichtsrevisionistischen Ansätze stellen, die die deutsche Schuld leugnen, relativieren oder einen „Schlussstrich“ ziehen wollen. Das Gedenken an diese Opfer muss erhalten bleiben und darf weder durch ein Gedenken, das auch den Tätern gilt, noch durch eine Instrumentalisierung der „Aufarbeitung der Vergangenheit“, die solange der Kapitalismus fortbesteht niemals abgeschlossen werden kann, im Sinne staatlicher Interessen entstellt werden. Somit stellen wir uns ausdrücklich gegen jegliche Vereinnahmungsversuche des Antifaschismus durch staatliche und bürgerliche Kräfte, da er so zwar dem Image des Ortes oder ganz Deutschlands zu Gute kommen mag, mit einer wirklichen Auseinandersetzung mit den Ursachen von Faschismus und Nationalsozialismus und deren Bekämpfung jedoch wenig zu tun hat.
Stattdessen setzen wir auf einen gegenkulturellen1 Antifaschismus von unten, ein Bündnis verschiedener Menschen mit verschiedenen politischen Grundhaltungen, die jedoch eine grundlegende Skepsis gegenüber der momentanen Einrichtung der Welt und eine entschiedenen Ablehnung gegenüber den oben beschriebenen Tendenzen eint. Die Förderung jener gegenkulturellen Freiräume, in denen sich Protest überhaupt erst artikulieren kann, sehen wir als weiteres realpolitisches Ziel an.

  1. Unter Gegenkultur verstehen wir in Abgrenzung zum üblichen Begriff „Subkultur“ eine Kultur, die nicht nur nicht dem Mainstream entspricht, sondern auch einen wirklich antibürgerlich-emanzipatorischen Anspruch hat. [zurück]



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