In den Texten der Antifa Horgau werden möglichst wenig, aber doch ab und zu, vielleicht Begriffe verwendet oder Personen als Autoritäten zitiert, die sicher nicht jedem bekannt sind. An dieser Stelle soll daher ein gleiches Sach- und Personenregister mit Links und kurzen Erläuterungen, die hoffentlich mehr nützen als zusätzlich zu verwirren entstehen. Wenn ihr Begriffe, die ihr absolut nicht versteht, oder Namen von Personen, mit denen ihr absolut nichts anfangen kommt, findet, postet euer Problem einfach als Comment und wir fügen den Begriff bzw. diese Person diesem Verzeichnis hinzu.
Diese kleine Sammlung erhebt allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da gerade Begriffe wie „Entfremdung“ oder „Ideologie“ einen wahnsinnigen theoretischen Rattenschwanz hinter sich herziehen: am besten seit ihr immer beraten, wenn ihr die betreffenden Artikel/Personen selbst nochmal bei Wikipedia oder einem anderen Lexikon nachschlagt.

Adorno, Theodor W.: Mit Max Horkheimer* und Herbert Marcuse* ist Theodor W. Adorno (1903-1969) als der Vertreter der „Kritischen Theorie“ zu sehen. Er hinterließ ein gewaltiges musiktheoretisches, philosophisches und soziologisches Werk (wobei er diese bürgerliche Sphärentrennung der Wissenschaften Zeit seines Lebens radikal ablehnte!), zu dem neben der „Dialektik der Aufklärung“ die „Negative Dialektik“, die Aphorismensammlung „Minima Moralia“ und die „Ästhetische Theorie“ gehören. Sein Kernprobleme, um die sich sein gesamtes Denken drehte, war die Formulierbarkeit marxistischer, fundamentaler Gesellschaftskritik im Zeitalter des Positivismus, d.h. eines rein auf empirischen Tatsachen begründeten Denkens, der Konsequenzen einer solchen Kritik aus dem Trauma des Nationalsozialismus, der ja nicht zuletzt eine Arbeiterbewegung war, und die Frage, ob eine Befreiung der Menschheit in einer solch fest gefügten Situation überhaupt noch möglich ist.

Ausbeutung: Obwohl „Ausbeutung“ ein allgemein gebräuchlicher Begriff ist, der auch oft mit Bezug auf den Kapitalismus verwendet wird, verstehen wir etwas ganz anderes darunter. Für uns ist, mit Marx*, Ausbeutung erstmal ein analytischer Begriff, der ein Arbeitsverhältnis meint, in dem der Arbeiter weniger Lohn bekommt, als er an Wert für den „Ausbeuter“ produziert. Darauf basiert jeder Gewinn eines Unternehmens und daher jedes kapitalistische Arbeitsverhältnis, egal, ob der Angestellte nun Spitzenmanager oder Fließbandarbeiter ist.

Entfremdung: Entfremdung ist ein philosophischer Begriff, dessen klare Definition tatsächlich nicht eindeutig ist. Im Grunde kennzeichnet er die Trennung zweier zusammengehöriger Dinge, die eigentlich zusammengehören. Marx* verwendet diesen Begriff in klar gesellschaftskritischer Absicht, in dem er ihn z.B. zur Beschreibung der Lage des Arbeiters im kapitalistischen Produktionsprozess verwendet: dieser kann weder den gesamten Prozess überblicken noch darf er selbst entscheiden, was der Zweck dieses Prozesses sein soll. Strukturell liegt dies darin begründet, dass er nicht Eigentümer sowohl des Produkts seiner eigenen Arbeit als auch der Produktionsmittel, derer er sich bedient (bzw. die er bedient), ist.
Grundsätzlich lässt sich der Begriff der Entfremdung aber auf nahezu alle Lebensbereiche des bürgerlichen Individuums anlegen, da seine Existenz wesentlich von Fragmentierungen aller Art geprägt ist. Da es z.B. permanent dazu gezwungen ist, eigene Wünsche und Bedürfnisse, die mit der Realität der bürgerlichen Gesellschaft nicht vereinbar sind (und sei es auch nur, dass es gerne eine bessere Wohnung hätte), zu verdrängen und Wunsch und Realität so permanent auseinanderklaffen. Es liegt also sogar eine „Selbstentfremdung“ vor.

Hafner, Thomas: Der 1963 geborene gelernte Verwaltungsfachwirt ist seit 2002 1. Bürgermeister der kleinen Gemeinde Horgau. Er gehört, wie jeder, der es im Dorf zu was bringen will, dem „Bürgerverein Rothtal“ an und ist als Repräsentant dieses von uns nicht gerade mit Sympathie bedachten Gemeinwesens und Hauptverfasser des örtlichen Infoblättchens „Horgauer Gemeindeblatt“ beständig unserer, zugegebenermaßen oft polemischen, Kritik ausgesetzt. Dabei hat Hafner durchaus auch Seiten, denen wir Respekt zollen: so wohnt er keineswegs in Horgau, sondern im Nachbarort Zusmarshausen und ist damit Vorreiter einer Revision des Gerichtsurteils vom 27. Oktober 1983, wie sie eine unserer wesentlichen lokalpolitischen Forderungen darstellt (siehe folgender Artikel).

Horgauer Unabhängigkeit von Zusmarshausen: Das zentrale Ereignis der neueren Geschichte für jeden Horgauer Lokalpatrioten. Der Bürgerverein Rothal, der den aktuell regierenden Bürgermeister Thomas Hafner* stellt, macht noch heute Wahlkampf damit. Die genauen Geschehnisse kann man in diversen von Gemeinde und Bürgerverein vertriebenen Broschüren und Büchern nachlesen. Wichtig ist: 1978 fand in Bayern eine Gebietsreform statt, die dazu führte, dass die Gemeinde Horgau ihre Unabhängigkeit verlor und mit dem benachbarten Markt Zusmarshausen zusammengelegt wurde. Das wollten sich die Horgauer nicht bieten lassen und leisteten fünf Jahre lang erheblichen Widerstand, der bis zum Wahlboykott und mehrern Demonstrationen in München ging. Horgau erlangte dadurch eine gewisse Berühmtheit. Im Zusammenhang dieser Ereignisse wurde auch der Bürgerverein als Vereinigung all jener, die gegen die Vereinigung kämpften, gegründet. Sein Engagement ging so weit, dass loyale Horgauer CSUler, die teilweise heftigen Anfeindungen ausgesetzt waren, seine Parteigänger als „Maoisten“ bezeichnete. Am 27. Oktober 1983 gewannen die Horgauer den Kampf, indem das bayrische Verfassungsgericht die Gebietsreform revidierte. Horgau wurde wieder selbstständig.
Als konsequente Anti-Horgauer fordern wir die Revision der Revision und eine Wiedervereinigung mit Zusmarshausen!

Horkheimer, Max: Ein marxistischer Theoretiker des 20. Jh.’s (1895-1973), der als Begründer der so genannten „Frankfurter Schule“ bzw. der „Kritischen Theorie“ gilt, einer der wichtigsten marxistischen Strömungen des 20. Jh.’s überhaupt, der neben Horkheimer selbst u.a. Herbert Marcuse* und Erich Fromm angehörten. Sein wichtigster Partner war allerdings Theodor W. Adorno*, mit dem zusammen er die „Dialektik der Aufklärung“ verfasste, eine Aufsatzsammlung, in der es v.a. darum geht, warum es möglich ist, dass es in einer im verstärkten Maße aufgeklärten Welt immer noch keine Anzeichen dafür gibt, dass die Vorstellungen der Aufklärung jemals verwirklicht werden. Der Schlüssel liegt dabei darin, dass Aufklärung und Antiaufklärung nicht als prinzipiell entgegengesetze, sondern als miteinander einhergehende Tendenzen beschrieben werden. Die Aufklärung, die die Natur durch Herrschaft im Sinne der Menschen zu formen versuchte, wird nämlich zur Antiaufklärung, sobald diese Herrschaft, die sich sowohl auf die Natur als auch auf die Menschen selbst erstreckt, durch den technischen Fortschritt und die historische Herausbildung des seiner selbst mächtigen Individuums eigentlich längst überholt ist.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde Horkheimer Dekan der Universität Frankfurt und damit einer der führenden Intellektuellen der frühen Bundesrepublik. Im Gegensatz zu Adorno und v.a. Marcuse sagte er sich jedoch vehement von seinem früheren Marxismus los und sprach sich für eine Verteidigung der westlichen Demokratie gegen den Sowjetkommunismus aus, was ihn in gewisser Weise zu einem Vordenker der (Post-)Antideutschen Bewegung werden ließ.

Ideologie: Eine Ideologie ist ein in sich gefügtes, geschlossenes Denksystem, dass von einigen Grundprämissen ausgeht und diese als Wahrheit verabsolutiert. Wir meinen mit Ideologie im Grunde alle Anschauungen, die die bürgerliche Gesellschaft oder einzelne ihrer widersprüchlichen Aspekte zu erklären und zu rechtfertigen suchen und verwenden das Wort in einem abwertenden Sinne, da wir davon ausgehen, dass beides zugleich widerspruchsfrei nicht möglich ist. Entweder man erklärt die bürgerliche Gesellschaft, doch dann kann man sie nicht rechtfertigen, da eine Erklärung erstmal wertfrei ist, oder man rechtfertigt sie und sagt damit die Unwahrheit über sie, da sie grundsätzlich falsch ist. So erklärt z.B. der Rassismus die realen Unterschiede zwischen verschiedenen Menschengruppen, in dem er z.B. auf genetische oder kulturalistische Prämissen zurückgreift, und rechtfertigt sie so zugleich, da sie ja auf jenen Prämissen beruhen. Er verkennt dabei allerdings die historische Bedingtheit von Unterschieden zwischen Menschengruppen, die überhaupt nichts mit einer als statisch-deterministisch gefassten Kultur und erst recht nichts mit Genetik zu tun haben.

Immanenz/immanent: Das Substantiv „Immanenz“ meint im Gegensatz zur „Transzendenz“ einen Bereich, dessen Grenzen nicht überschritten werden. „Immanent“ ist das dazu passende Adjektiv, dass ungefähr ausdrücken soll „x, das einem anderen y innewohnt“. So könnte man z.B. sagen „Der Schüler Otto ist aktuell dem Klassenzimmer immanent“ oder „Der Schüler Otto befindet sich in der Immanenz des Klassenzimmers“. Geläufiger ist allerdings eine Verwendung dieser Worte in einem etwas abgehobenerem Zusammenhang, meist heißt es dann z.B. „dieses Problem ist dem Kapitalismus immanent“, was nichts anderes heißen soll, als dass das betreffende Problem nicht getrennt vom Kapitalismus betrachtet werden kann, da es so fest zu ihm gehört.

Kapitalismus: Auch wenn für die jetzige Wirtschaftsordnung in Deutschland gerne der Begriff „freie und soziale Marktwirtschaft“ verwendet wird, halten wir dennoch die Bezeichnung „Kapitalismus“ für korrekter. Eine kapitalistische Wirtschaft basiert darauf, dass es ein staatlich geschütztes Privateigentum und, damit verbunden, freie und gleiche Rechtssubjekte gibt, die sich auf dem Markt als Verkaufspartner gegenüberstehen. Bürgerlicher Staat und Kapitalismus sind also nicht voneinander zu trennen. Der Kapitalismus beinhaltet aber auch, dass es, trotz dieser formellen Gleichstellung, soziale Gegensätze in der Gesellschaft gibt, die darauf basieren, dass sich die Menschen gemäß ihrer ökonomischen Stellung in Käufer von Arbeitskraft, Kapitalisten, und Verkäufer von Arbeitskraft, Proletarier, aufspalten. Die Kapitalisten verfügen zudem über einen Großteil der gesellschaftlichen Produktionsmittel und sind so, wirtschaftlich gesehn, die absoluten Machthaber in der Gesellschaft, obwohl ihr Reichtum auf Ausbeutung* des Großteils der Bevölkerung beruht.
Dies ist freilich nur eine sehr kurze Darstellung. Am besten ist, sich einmal auf unserer Website oder auf der Seite jungelinke.de umzuschauen, wo sich viele Artikel über die Funktionsweise der kapitalistischen Gesellschaftsordnung befinden. Empfehlenswert ist auch das Buch „Kritik der politischen Ökonomie“ von Michael Heinrich, erschienen in der Reihe theorie.org des Schmetterlingverlags.

Marcuse, Herbert: Wie Theodor W. Adorno* und Max Horkheimer* war auch Herbert Marcuse (1898-1979) ein führender Vertreter der so genannten „kritischen Theorie“ bzw. der „Frankfurter Schule“. Auch seine Kritik an der modernen Gesellschaft ist denen der beiden ersteren höchst ähnlich, es ging allen darum, die Marxsche Kritik des Kapitalismus nicht nur auf die Ökonomie zu beziehen, sondern sie, u.a. mit Bezug auf die Psychoanalyse, auch auf weitere Bereiche der Gesellschaft auszudehnen. Im Unterschied zu Adorno und Horkheimer kehrte Marcuse jedoch nach dem 2. Weltkrieg nicht nach Deutschland zurück, sondern blieb in den USA und solidarisierte sich mit den Studentenunruhen der 60er Jahre, zu denen Horkheimer und Adorno ein eher skeptisches Verhältnis hatten. Als Theoretiker wird er den anderen zudem oft vorgezogen, da er sich oft klarer ausdrückte und auch offener Stellung gegen den Kapitalismus und für eine Revolution bezog (insbesondere Horkheimer wurde im Gegenteil gegen Ende seines Lebens sogar ein regelrechter Gegner des Communismus).

Marx, Karl: Karl Marx, der von 1818-1883 lebte, war ein revolutionärer Theoretiker, dessen bedeutendste Schriften wohl das „Manifest der kommunistischen Partei“ (1848) und das „Kapital“ (1867) sind. Er und sein Partner Friedrich Engels sind als Begründer des so genannten „wissenschaftlichen Kommunismus“ zu sehen, da sie als erste den Kapitalismus von einem antikapitalistischen Standpunkt aus analysierten, um seine prinzipielle Schlechtigkeit primär rational, nicht moralisch nachzuweisen. Alle wichtigen biographischen Details zu Marx findet ihr hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Marx




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