Archiv der Kategorie 'Landtagswahl 08'

Humor im Wahlkampf

Eine recht witzige Internetseite zur Landtagswahl hat die SPD mit stoiber-war-wenigstens-lustig.de gestaltet. Untertitel: „Wenn schon veraltete Politik, dann wenigstens mit Unterhaltungswert.“ Mit dabei die drei berühmtesten Ansprachen des ehemaligen Ministerpräsidenten: der „Problembär“, der wundersame Münchner Transrapid und Stoibers Lobrede auf den Gartenbau. Dagegen kommt nicht einmal beckstein.de an, auch wenn die Seite noch etwas umfangreicher sein könnte.

Ein Blick zurück

Wohl nichts gibt mehr Einblick in die Funktionsweise demokratischen Wahlkampfs in der Nachkriegszeit als das „youtuben“ nach alten Parteiwerbespots. Wir haben mal einige Highlights zusammengestellt.

In diesem Spot der CDU von 1957 wird ein eindeutig autoritär-technokratisches Staats- und Gesellschaftsverstädnis propagiert. Der nette Onkel Adenauer lenkt die Schalthebel der Macht, damit sich der „deutsche Michel“, der hier als positive Figur fungiert, sorglos schlafen legen kann. Gewürzt natürlich mit einer ordentlichen Prise Antisemitismuskommunismus.

Das Motiv, den politischen Gegner als „Besserwisser“ darzustellen, der den geordneten Lauf der Dinge nur stören würde und dem es an wirklicher politischer Erfahrung mangelt, kommt gerade bei der CDU/CSU im Übrigen sehr oft vor, obwohl es relativ offen antidemokratisch ist. Denn schließlich basiert eine parlamentarische Demokratie darauf, dass es eine Opposition gibt, die Alternativvorschläge zum Handeln der Regierung unterbreitet, ohne selbst an der Regierung zu sein. Die Regierung könnteimmer das „Argument“ vorbringen, dass die Opposition keine Ahnung hat, da sie ja per definitionem nicht an der Regierung beteiligt ist. Die Konsequenz aus dieser Argumentation wäre im Grunde, die Opposition abzsuchaffen, da diese die gute Ordnung ohnehin nur destruktiv stört, und nur noch Leute mit „Erfahrung“ das Land regieren zu lassen.

Im Vergleich dazu sind die Werbespots der Konkurrenz aus demselben Jahr garnicht mal so unsympathisch:

Nicht einmal sublim postfaschistisch ist hingegen das Auftreten der FDP aus derselben Zeit. Die inhaltlichen und formalen Parallelen zur Nazipropaganda sind wohl offensichtlich:

Wenigstens hat die FDP späterer Zeit auch unterhaltsameres vorzuweisen, selbst wenn man nicht mehr so genau weiß, was nun eigentlich der Unterschied zwischen Spaß- und Ernstparteien sein soll:

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Der Landtag ruft

Wie man an den Wahlplakaten, die zögerlich aus dem Nichts zu entstehen scheinen wie die ersten Frühlingsblüten im März, unschwer erkennen kann, ist es wieder einmal Wahlkampfzeit in Bayern. Anders als manch andere Antifa-Gruppe heißt dass für uns nicht, uns vor NPD-Stände zu stellen und die Passanten darauf hinzuweisen, was sie ohnehin schon wissen, dass die NPD eine Fascho-Partei ist. Anstatt uns auf eine Partei zu konzentrieren, die sich – wohl auch dank der Existenz einer bürgerlichen Alternative – im Freistaat ohnehin nur im Promille-Bereich bewegt, kümmern wir uns lieber darum, was die ganz „normalen“ Parteien so alles an kritikablem Mist verzapfen – und das schließt wohlgemerkt nicht nur die CSU ein, sondern so ziemlich alle Parteien, die zu dieser Wahl antreten. Denn, wer uns kennt, weiß, dass unsere Kritik an der Demokratie, wie sie im Augenblick so ist, grundsätzlicher Art ist.

Allerdings ist es sehr ermüdend, die immergleichen Argumente alle paar Monate erneut auszugraben. Und noch dazu scheint es ja nicht gerade originell zu sein, sich eine gänzlich andere Verlaufsform gesellschaftlicher Entscheidungsfindung zu wünschen. Dass es in der Politik nur um Macht und Korruption geht, erfährt man schließlich noch in jedem zweiten „Tatort“, und der, der sein Kreuzchen nicht beim „kleineren Übel“ macht, muss erst noch gefunden werden. Wer trotzdem noch an seinem Demokratieideal festhält, muss schon ein ziemlich dickes Fell und eine Menge Optimismus aufweisen – schließlich wird seine Erwartung, jetzt käme endlich mal ein richtiger Demokrat an die Macht, der seine Wahlversprechen hält und das Ideal eines vernünftigen Politikers erfüllt, wohl alle vier Jahre bitter enttäuscht werden. Ein solcher armer Tropf wartet wohl auch seit Jahren darauf, dass endlich mal ordentliche Manager die Firmen in die Hand nehmen, denen es nicht nur ums Geld, sondern auch ums Wohl ihrer Beschäftigten und die Moral ginge. Eine höchst bemitleidenswerte Figur, unser Herr Systemidealist!

Und wieso verändert sich trotzdem nicht? Wieso zieht nicht mal jemand eine andere Konsequenz aus der permanenten Desillusionierung, als eine neue Partei zu gründen, die glaubt alles besser machen zu können? Das ist in der Tat ein weites Feld… (mehr…)




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