Archiv der Kategorie 'Grundsätze'

Zur naßen, kalten Jahreszeit

Sobald die erste Schneeflocke fällt und sich das Thermometer in ungemütliche Tiefen bewegt, wird man nicht umhin kommen ein seltsames Phänomen zu beobachten. In den kalten Monaten des Jahres sprießt das sog. „Palituch“ in mannigfacher Zahl aus dem Boden und bevölkert nunmehr die deutschen Einkaufsstraßen und Schulhöfe. Dieses Kleidungsstück, das sicherlich einige praktische Vorteile in Sachen Kälteschutz für sich beanspruchen kann, scheint zudem noch das ultimative Accessoire zu sein, da jedermann/frau sich damit stilsicher in modischen Sphären bewegt. (mehr…)

Die Dekonstruktion der ganzen Stadt

Für junge und alte Antifaschistinnen gibt es zahlreiche Gründe, an autonomen Events teilzunehmen. Demonstrationen, die für sich in Anspruch nehmen, den Kapitalismus und dessen Gier zu entblößen, oder Aktionen gegen Aufmärsche politischer Gegner, seien es fundamentale Christengruppen oder das rechtsradikale Lager, haben eben eine gewisse Faszination für sich. Dort kann autonomer alte Demobekanntschaften pflegen (manchmal auch als Vernetzung bezeichnet) und den immer gleichen Inhalten, die immerhin den 0ffiziellen Grund für das Spektakel darstellen, lauschen. Redebeiträge werden oftmals jedoch als langweilig und viel zu langwierig empfunden, da sie im Grunde nur noch einmal den Text des Flyer repetieren. Den breiten schwarz gekleideten Massen geht es wohl vor allem um eines, den großen „Fetz“. (mehr…)

Halbbildung – vom Scheitern der Bildungsidee

Flyer zum Bildungsstreik am 17.06. in Augsburg:

Wer am 17.06. gegen die derzeitigen Verhältnisse im Bildungswesen auf die Barrikaden geht, weiß um die fatalen Zustände, die, hervorgerufen durch die Bildungspolitik der letzten Jahre, das Leben von Schüler_innen und Student_innen in einem nichthinnehmbaren Maß belasten. Doch während gegen diese offensichtlichen Missstände protestiert wird, läuft die ganze Problematik des Bildungsbegriffs an sich, die Adorno in seiner „Theorie der Halbbildung“ treffend formuliert hat, Gefahr, gänzlich aus der Kritik zu fallen. (mehr…)

Deutsches Recht für deutsche Täter

Pünktlich zum Superjubiläum der Bundesrepublik zeichnet sich eine juristische Komödie auf internationalem Parkett ab, an der auch Deutschland seinen Teil dazu beiträgt. Dem Tauziehen um die Verurteilung von John Demjanjuk, dem auch der schmeichelhafte Beiname „Iwan der Schreckliche“ bzw. „Schlächter von Sobibór“ verliehen wird und der (vermutlich) die Verantwortung für den Tod von 29 000 Menschen trägt, geht ein lang andauerndes Blockieren der deutschen Justiz voraus, deren Umgang mit ehemaligen Kriegsverbrechern generell ein interessantes Kapitel darstellt. (mehr…)

Unser Deutschland

„Dies ist unser Deutschland, dies ist euer Deutschland; dis is wo ich herkomm!“ – Was wie eine neue Werbekampagne der Bundesregierung für die Stärkung des deutschen Nationalbewusstseins klingt, ist dem neuen Song des ehemalig linksliberalen Rapper Samy Deluxe entnommen. Nach Jahren des ewigen Nörgelns und hemmungslosen Mariannakonsums legt der Künstler nun offenbar sein rebellisches Image ab und präsentiert uns ein neues, geläutertes Wesen, das sich endlich auf seine Wurzeln zu besinnen scheint und, ganz dem Herkunftsland verpflichtet, feststellt, dass „Deutschland schon ganz in Ordnung“ ist. (mehr…)

Der Tod ist ein Meister aus Deutschland

Infoflyer der anifahorgau zur geschichsrevisionistischen Demonstration am 28.02.09:

Alle Jahre wieder jähren sich die alliierten Bombenangriffe auf Augsburg, und wie jedes Jahr wird unterschiedlich mit dem Ereignis umgegangen.
Zu allererst gilt es festzuhalten, dass die Bombardierung des Industriestandorts Augsburg ohne jeden Zweifel gerechtfertigt war und keiner Diskussion bedarf. Die Stadt galt mit den Waffenschmieden Messerschmitt (Luftwaffe) und MAN (Panzer, Militärfahrzeuge, Flotte) als kriegswichtige Produktionsstätte, tausende Häftlinge aus dem KZ Dachau mussten hier unter unmenschlichen Bedingungen für die deutsche Kriegsmaschinerie ihren Arbeitsdienst ableisten. Diese Situation stellte ein immens wichtiges strategisches Ziel für die alliierten Befreiungspläne, die sowohl den deutschen Terror an der Ostfront, als auch den systematischen Massenmord beenden konnten, dar. (mehr…)

Redebeitrag der antifahorgau zum Gazakonflikt

Liebe Antifaschistinnen und Antifaschisten,

auch wenn der Konflikt im Gazastreifen schon einige Wochen zurückliegt, erregt er, zu Recht, noch einige Rezeption.
Wir, die Antifa Horgau, wollen einen Blick zurückwerfen, vor allem den Bezug auf antisemitische und antizionistische Vorgehensweisen beleuchten und die Frage behandeln, wie weit antisemitische Tendenzen auch heute noch in der deutschen, europäischen und weltweiten Gemeinschaft verankert sind.
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Schwul oder was?

Heutzutage fungiert sogar schon die BILD Zeitung als aufklärerisches Organ

Jedem ist die Problematik bewusst: Geht man wahllos auf irgendeinen Schulhof der Bundesrepublik, schlagen einem permanent Sprüche wie „Ist das schwul!“ oder „Schau dir mal den Schwuchtel an!“ ins Gesicht. So kann eine Matheaufgabe genauso „schwul“ sein wie der neue Look des Banknachbar.
In letzter Zeit setzte sich in der deutschen Jugendsprache der, von den Jugendlichen meist herabwertend gemeinte Begriff „schwul“ immer mehr durch, so dass er mittlerweile nahezu für jegliche Abwertung missbraucht werden kann und so einen gänzlich inflationären Charakter erfährt.
So hat die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft 2007 die Hassfloskel „Schwule Sau“ als häufigste Beschimpfung unter Jugendlichen festgestellt.

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Das Kapital

Wer einen schnellen Überblick darüber haben will, was Marx auf den gut 1000 Seiten des ersten Bands der „Kritik der politischen Ökonomie“ eigentlich alles so an dieser Wissenschaft – der direkten Vorläuferin der heutigen VWL – und an der „warenproduzierenden Gesellschaft“ so alles zu kritisieren hat, dem sei diese Rezension des Buches, die Friedrich Engels 1868 für das „Demokratische Wochenblatt“ verfasste, wärmstens an den Kopf gelegt. Und auch aus historischem Interesse enthält sie einige interessante Punkte.

Wenn man den Ausdruck „Taler“ durch „Euro“ ersetzt und andere historische Spezifika weglässt, wird man schnell feststellen, wie wenig sich in mancher Beziehung seit 140 Jahren geändert hat.

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Das Kapital

I

Solange es Kapitalisten und Arbeiter in der Welt gibt, ist kein Buch erschienen, welches für die Arbeiter von solcher Wichtigkeit wäre, wie das vorliegende. Das Verhältnis von Kapital und Arbeit, die Angel, um die sich unser ganzes heutiges Gesellschaftssystem dreht, ist hier zum ersten Mal wissenschaftlich entwickelt, und das mit einer Gründlichkeit und Schärfe, wie sie nur einem Deutschen möglich war. Wertvoll wie die Schriften eines Owen, Saint-Simon, Fourier sind und bleiben werden – erst einem Deutschen war es vorbehalten, die Höhe zu erklimmen, von der aus das ganze Gebiet der modernen sozialen Verhältnisse klar und übersichtlich daliegt, wie die niederen Berglandschaften vor dem Zuschauer, der auf der höchsten Kuppe steht. (mehr…)

Kapitalismusapologie auf intellektuell

Wer ernsthaft fundamtental antikapitalistische Positionen vertritt, wird häufig mit immer wieder denselben abgedroschenen Argumenten konfrontiert. Es ist daher hilfreich, sich einfach mal einen besonders prokapitalistischen Text herauszugreifen – wie mit dem Sack, auf den man draufhaut und immer den richtigen trifft halt.

Via dem Blog von Redsurfer bin ich auf den Text „Das Unbehagen im Kapitalismus“ von Christoph Keese, einem sich durch eine lange Liste von Publikationen empfehlenden Großapologeten liberaler Coleur, gestoßen.
Gehen wir Absatz für Absatz vor.

Im Moment seines größten Triumphes erlebt der westliche Kapitalismus seine größte Krise. Besonders in Deutschland schwankt der Boden unter den Säulen des Systems. Eine Mehrheit der Deutschen glaubt, unter Kapitalismus sei einzig die Ausbeutung der Vielen durch das Gewinnstreben einiger weniger zu verstehen. Unter diesen Schleier des Nichtwissens dringen die Einreden nicht vor. Kapitalismus ist nichts weiter als ein Steuer- und Regelkreis zur bestmöglichen Nutzung knapper Ressourcen. Eigentlich eine recht harmlose Sache.

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Selbstdarstellung


Nach langwierigen Diskussionen haben wir es geschafft, eine Selbstdarstellung zu formulieren, die so einigermaßen den politischen Grundkonsens unserer Gruppe wiederspiegelt und zugleich nicht allzu oberflächlich-zusammengestückelt ist. Wir wollen damit, dass Besucher dieser Seite unsere allgemeinen Grundsätze, wie sie auch unsere sonstige praktische und theoretische Arbeit bestimmen, auf einen Blick einsehen können.
Es handelt sich bei dieser Selbstdarstellung freilich um keine endgültig fixierte Satzung, sondern eher um eine augenblickliche Bestandsaufnahme, die in (fast) jeder Beziehung veränderbar ist. Kritik an unserer Selbstdarstellung ist uns daher jederzeit willkommen.

Die Antifa Horgau.

Antifa is never dead

An alle, die schon befürchtet oder gehofft haben, wir, die so genannte „Nestbeschmutzer“-Antifa Horgau wäre am Ende: keine Sorge und zu früh gefreut. Nach der gescheiterten Sommersause, mit der wir um ehrlich zu sein nichts weniger vorhatten, als genügend Leute für die Ausrufung einer Räterepublik in Horgau zusammenzutrommeln, waren wir zwar tatsächlich etwas desorientiert (manche fingen schon an, in Paranoia zu verfallen und abwechselnd den CIA, den BND und die Al-Kaida für das schlechte Wetter verantwortlich zu machen), haben die Sommerpause jedoch dazu genutzt, um unsere Theorie an Foucault, Adorno, Hegel und Walter Benjamin zu schärfen und an zahlreichen Urlaubsorten dieser Welt unsere Kampfkräfte zu regenieren. Gründe, den Kampf auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen, gibt es schließlich wenige: Deutschland ist nach wie vor ein Land des projektiven Hasses, ob er sich nun gegen Inder bei einem Volksfest oder gegen Obachlose entlädt1 entlädt. Aber auch sonst gibt es genug Zwänge, die uns der Kapitalismus, „der alte Schlawiner“, wie Peter Licht ihn einmal treffend bezeichnet hat, so auferlegt. Man denke nur an den baldigen Anbeginn der Schule… Ohnehin haben wir den Eindruck, dass Kapitalismuskritik in der Linken oft viel zu abstrakt betrachtet wird. Was spricht dagegen, auch mal so konkrete Missstände wie das totale Rauchverbot (nicht nur) an Schulen zu thematisieren, was ja mit einer ziemlich widerlichen Gesundheitspropagandakampange der Regierung verbunden ist, die sich wiederum sehr gut mit dem Foucault’schen Terminus der „Biopolitik“, also dem Versuch des bürgerlichen Staats, die vollständige Kontrolle über die Körper seines „Menschenmaterials“ zu gewinnen, beschreiben lässt. Flankiert wird das wiederum von den Sexual- und Gesundheitsratgebern, die uns von web.de und anderen Repräsentanten der „Aufklärung“ im 21. Jahrhundert so alltäglich vorgesetzt wird. Auch hier tuen sich glaube ich ziemlich wichtige Felder der Kritik auf.
Bei einer Schülerdemo für „Mehr Demokratie an Schulen“ wurde auf jeden Fall ziemlich viel von mehr demokratischer Mitbestimmung im bayrischen Schulsystem gefaselt, aber als wir anfingen „Einzig darum sind wir hier – in der Schule Rauch und Bier“ und ähnliche subversive Forderungen zu skandieren, wurden wir doch recht schief angeschaut. Dabei macht doch das ganze Demokratiezeug einfach nur Sinn, wenn man auch konkrete Forderungen für Veränderungen hat. Wenn Mitbestimmung nur das formale Recht bedeutet, Ja oder Nein zu sagen, ohne dass dies irgendwelche Konsequenzen hat, kann man es auch gleich bleiben lassen und wird mit solchem abstrakt bleibendem Demokratieidealismus auch niemals die Massen begeistern, sondern weiterhin, und das zu Recht, als verträumte Spießer belächelt werden. Die geringe Teilnehmerzahl, so zwischen 20 und 30, spricht Bände, ebenso das betont „engagierte“, staatskonforme Auftreten der AnfühererInnen dieses Politikacts. Sind halt alles Leute, die mal bei den Grünen oder der SPD Karriere machen werden, die von wirklich subversiver Antipolitik aber rein garnichts verstehen (und verstehen wollen). 2 (mehr…)

Rechtsextreme Gewalt in Deutschland

Nach neusten Berichten der Verfassungsschutzstellen der Länder, nimmt die Zahl rechtsextremer Gewalttaten in Deutschland weiter zu, es sind 2,5 pro Tag. Obwohl der Schwerpunkt weiterhin in den neuen Bundesländern liegt, zeichnet sich ab, dass in verstärktem Maße auch der Westen Aktionsraum rechter Gruppen ist, was auch der Strategie dieser Gruppen entspricht, materielle und personelle Ressourcen gezielt dorthin zu lenken. Gerade von den „Autonomen Nationalisten“, die ihren Schwerpunkt gerade in Westdeutschland haben (u.a. München, Berlin, Ruhrgebiet), geht ein extrem hohes Gewaltpotential aus, dass sich gegen alle richtet, die sich anders kleiden oder nur anderes aussehen, als es deren Vorstellungen entspricht. Im Grunde sind alle gefährdet, die auch nur einen auffälligen Antifabutton auf ihrer Jacke tragen oder einen punkigen Kleidungsstil haben.

„Autonome Nationalisten“, eine Herausforderung an jede über sich selbst nachdenkende Linke.

Die gegenwärtigen Zahlen werden als „Rekord“ bezeichnet. Es ist zu vermuten, dass rechte Gewalt in der nächsten Zeit eher noch weiter zunehmen als abnehmen wird, wenn die Politik dagegen nichts anders als durch Repressionen vorgeht, so, als wäre rechtsextreme Gewalt etwas vollkommen unerklärliches und würde sich nicht auf Objektivitäten gründen, die es abzuschaffen gälte, wollte man den Neonazismus ernsthaft etwas entgegenhalten. So verlautete der FDP-Innenexperte Max Stadler: „Die ansteigenden Zahlen rechtsextremer Straftaten zeigen, dass mit allen Mitteln des Polizei- und Strafrechts dagegen vorgegangen werden muss.“ Die Probleme werden so nicht gelöst, sondern nur verschoben und unter Umständen sogar noch verschärft: Rechtsxtreme neigen sicher eher zu Gewalt, wenn sie sich unter Druck gesetzt fühlen, Gewalt erzeugt eben Gegengewalt (was nicht die Gegengewalt rechtfertigt, sondern bestenfalls erklärt). (mehr…)

Hafner, der Kritiker

Wie jeder deutsche Kleinbürger entdeckte auch der 1. Bürgermeister von Horgau, Thomas Hafner, zur Weihnachtszeit sein schlechtes Gewissen – dies machte er auch gleich in der Weihnachtsausgabe des „Horgauer Gemeindeblatt“s, die leider noch nicht online ist, publik. Im Leitartikel präsentierte er, für seine konservative Mitbürger- und Wählerschaft, recht ungewöhnliche Töne.
Zunächst beklagt er, dass angesicht der „zunehmenden Atemlosigkeit in unserer Gesellschaft“ gar keine rechte Weihnachtsfreunde mehr aufkommen will. „Wir alle haben Pflichten und Aufgaben, die wir nicht einfach mit Beginn der Adventszeit beiseite legen können. Der „Main Stream“ nimmt keine Rücksicht auf Individuen. Wir müssen funktionieren… Diesen Preis fordert die moderne Welt von uns. Und allzu große Rücksichtnahme auf Schwächere können wir uns nicht mehr leisten, da wir dann selbst unser „Programm“ nicht mehr schaffen.
So weit so gut, die Kritik ist ja nicht ganz falsch, auch wenn sie sich auf so einen so moraltriefenden Anlass wie das selbstzufriedene bürgerliche Geschenkfest Weihnachten bezieht. Allerdings enthält sie auch bereits die Rechtfertigung der gegebenen und als schlecht erkannten Zustände. Hier spricht das entfremdete bürgerliche Individuum aus den Tiefen seiner zerrissenen Seele ohne zu erkennen, dass es ja keine Naturnotwendigkeit ist, dass die „moderne Welt“ so ist, wie sie ist. Es sagt, „ich muss ja“, „ich kann nicht anders“, obwohl es ja, im großen Maßstab gedacht, durchaus anderes möglich wäre. Es würde wohl zu kurz greifen, Herrn Hafner an dieser Stelle Doppelmoral vorzuwerfen. Sicher, es gehört nicht sehr viel Mut dazu, zu Weihnachten ein paar sozialkritische Allgemeinplätze von sich zu geben, sicher, es fällt schon ins Auge, dass 2/3 des Gemeindeblatts aus Weihnachtsanzeigen lokaler Firmen und Vereine bestehen, doch aus Herrn Hafners (Frosch-)Perspektive stimmt seine Sicht der Dinge ja.
Als wäre es jemals anders gewesen! (mehr…)

Die schlafen nicht


Nach der sehr coolen Demo habe ich mir mal die Stellungnahme der NPD Schwaben durchgelesen, die hier nicht verlinkt werden soll (Google hilft da sicher weiter). Neben den üblichen Dissereien und Blödsinnigkeiten, wie auch falschen Angaben (z.B. gibts da plötzlich nur noch 120 Antifaschisten, wos eigentlich mindestens 500 waren – wesentlich mehr als die Nazis), gibt es eine Stelle, die mich echt vom Hocker gerissen hat. Da wird ernsthaft folgendes geschrieben:

Die Verfügung [Anm: das polizeiliche Verbot, in einer Rede über ein laufendes Verfahren zu reden] (unterschrieben von einem Amtsrichter Dr. Bartholy) scheint unter großer Eile bzw. unter großem Druck zustande gekommen zu sein. Sie trägt weder ein Aktenzeichen, enthält Rechtschreibfehler, unterläßt die Rechtsbehelfbelehrung und benennt keine Rechtsgrundlagen. Hier zeigt sich, daß die Augsburger Demo ein Volltreffer war – die Polizeiführung hat offenkundig einiges zu verbergen. Noch nicht einmal das Verlesen der Verfügung war gestattet. Man fühlt sich an Franz Kafkas Roman „Der Prozeß“ von 1924 erinnert, in dem ein unschuldiger Bürger vor Gericht gezerrt wird und die Anschuldigungen nie erfährt.

Diese Selbstverständlichkeit, mit der sich die Rechten hier auf Kafka beziehen ist für mich echt gruselig. Zumal ihnen ja so auch niemand Antisemitismus vorwerfen kann, Kafka war ja schließlich Jude [natürlich sarkastisch gemeint]. Ganz davon abgesehen verwendet die NPD ja auch sonst zahlreiche Begriffe und Formeln, die eigentlich mit „links“ asoziiert werden. So schreibt sie z.B., wir [die Antifaschisten] seien „von den Kirchen, den Blockparteien, Gewerkschaften und Konzernvertretern“ aufgehetzt worden. Ähnlich sieht es auch aus, wenn manche (nicht alle!) klassische Arbeiterbewegungslinke über die NSDAP schwafeln, nur halt mit anderen Schuldigen. (mehr…)




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