Archiv der Kategorie 'Dies und das'

Kreuzverhör

Ein kleiner Auszug aus der fabelhaften Seite kreuz.net, in der reaktionäre Gesinnungen aller Art ihr Tummelplätzchen gefunden haben:

Die Talmudisten

Haben sie sich geändert? Seit dem unglaublichen Fall am Kalb ?
Sind sie besser geworden? Nach den Morden an Gottes Gesandten?
Haben sie gelernt? Aus den Strafen der Jahrtausende?
Nein
Sind sie jetzt barmherziger? Nach dem Völkermord in Palästina?
Lügen sie weniger? Über ihre eigene Geschichte?
Drohen sie heute weniger? Denen die über ihre Gräuel sprechen?
Nein (mehr…)

Partyspaß mit Guttenberg

Wenn es morgen nach den musikalischen Fähigkeiten der Parteien ginge, würde sich die als alt und staubig verschriene CSU mit ihrem adeligen Diskjockey wohl an die Spitze katapultieren. Wer sonst als der „KrisenbewälTiger“ mit seiner jugendlichen Frische könnte die Spieltische des Casinokapitalismus umwerfen und das mittelständische deutsche Unternehmen wieder auf den Pfad des „ehrbaren Kaufmannes“ bringen? (mehr…)

Illegales Brot

Da wünscht mensch sich doch gleich ein wenig mehr Menschenrecht und Gleichberechtigung in den Nahen Osten. Wie die Jungle World berichtet, wurde in Saudi-Arabien die 75jährige Greisin Khamsa Sawadi zu 40 Peitschenhieben, vier Monaten Gefängnis und (da sind sich die theokratischen Monarchien mit den westlichen Demokratien einmal einig) zur anschließenden Abschiebung verurteilt, da die Frau aus Syrien stammt. Obwohl die Arme wirklich alles daran gesetzt hat, sowohl dem göttlichen als auch dem weltlichen Strafgericht zu entkommen und die Sharia strikt einzuhalten versuchte, scheiterte sie an der Komplexität ihrer gesetzlich vorgeschriebenen Unmündigkeit. Da ihr Ehemann verstorben ist und sich die arabische Frau in diesem Staat ohne Mann nicht auf der Straße zeigen darf, beauftragte sie zwei Männer, ihr Brot zu besorgen… dummerweise sahen hier die Gottesrichter den Tatbestand der „illegalen Vermischung“ der Geschlechter.

Unter der Gürtellinie

Was den deutschen Beamten, fleißig wie er nun mal ist, nicht so alles beschäftigt. Sein Bestreben zur absoluten Reglementierung umfasst auch Bereiche unter der Gürtellinie, wie der folgende Gesetzestext zeigt. Mit der Gewissheit, dass auch das letzte Geschäft ordungsgemäß in die Wiegen der Bürokratie eingebettet ist, lässt es sich doch gleich doppelt so gut erledigen…

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Operation Straffreiheit

Im Rahmen der Debatte um die Schuldfrage in Bezug auf den aktuellen, inzwischen beendeten Gazakonflikt, besorgte ich mir tatsächlich eine „Junge Welt“. Der Umstand, dass die „Junge Welt“ das „Kampfblatt der Antiimperialisten ist und deshalb einseitig für Palästina, die Hamas, aber gegen Israel Position bezieht, dürfte niemanden groß überraschen. In den letzten Jahren gab es viele Aktionen, um den israelischen Imperialismus im Nahen Osten zu stoppen, wie mehrere Boykottaufrufe für israelische Produkte, die natürlich aus „völkerrechtswidrig“ Besetzen Gebieten enstammen.
In der besagten „Jungen Welt“, welche ich mir besorgte, die „Sonnabend („Junge Welt“ -Slang)/Sonntagsausgabe, ging jedoch eindeutig zu weit mit ihrer antizionistischen Hetze, der Artikel „Operation Straffreiheit“, des urugayischen Autors, Eduardo Galeano, der auch auf
blog.taz.de erschienen ist, grenzt eindeutig an Antisemitismus.
Alle kursiven Zitate, die im weiteren Artikel erscheinen, sind aus dem besagten Artikel entnommen.

Der Artikel beginnt mit einer unreflektierten Darstellung der palästinensischen Situation in Israel.
„Seit 1948 sind die Palästinenser zu einer lebenslangen würdelosen Unterwerfung verurteilt. Nicht einmal atmen dürfen sie ohne Genehmigung. Sie haben ihre Heimat verloren, ihr Land, ihr Wasser, ihre Freiheit, ihr alles.

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Bibeln für das Volk

Die rote Maobibel hat aber auch was...

Es ist schon ein lustiges Völkchen, diese Christen. Die einen stellen sich vor Krankenhäuser, um abtreibungswilligen Frauen wieder ein wenig Gottesehrfurcht einzubläuen, andere biedern sich mit dem guten alten deutschen Adel an und veröffentlichen geistreiche Bücher mit noch intelligenterem Inhalt.
Doch abseits von medienlüsternen Kardinälen und Bildzeitungsbischöfen gibt es auch noch traditionelle Kirchenmitglieder, die sich dem wahren Auftrag Gottes berufen fühlen und sich dem schnöden Dienst zuwenden, ihre verlorenen Schäfchen wieder heim in den Schoss der Kirche zu geleiten.
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Die Post ist da

Im Rahmen der allgemeinen Rekrutierungskampagne der Bundeswehr finden junge Männer derartiges „Info“material in ihrem Briefkasten:

Seite 1
Seite 2

Was gibt es daran nun zu kritisieren?

Nun, eigentlich nichts, denn Werbung zeichnet sich ja generell nicht durch große Ehrlichkeit aus, selbst wenn es sich um solche von einer staatlichen Institution handelt. Immerhin wird sich ja wohl jeder vorstellen können, dass der Alltag in der Bundeswehr etwas weniger idyllisch, als in dem Schreiben beschrieben aussehen wird.
Zudem braucht jeder Staat nunmal eine Armee. Auch wenn man sich darüber streiten kann, wie groß diese sein mag und welchen Aufgaben sie dienen muss, ist es zwingend erforderlich, dass sie zumindest ausreicht, das Staatsgebiet gegen mögliche Angriffe abzusichern – ihre Größe muss sich also an der Größe der Armeen der Nachbarstaaten ausrichten.
Auch wenn das ein wenig überholt klingen mag, da Deutschland ja keinen feindlichen Nachbarstaat hat, ist dies dennoch das Kriterium, dem jede Armee unterliegt. Ansonsten wäre es ja auch ziemlich seltsam, dass ausgerechnet die neutrale Schweiz soviel Wert auf ihr Militär legt – der Witz ist, dass sie sich ja gerade wegen ihrer Neutralität besonders schützen muss. Hätte sie keine, könnten ja theoretisch einfach Deutschland, Frankreich und Italien daherkommen und die ungeschützte Schweiz unter sich aufteilen. Oder sie zumindest zwingen, doch der EU und der NATO beizutreten. In der Tat kam es 1914 und 1939 jeweils zu einer Generalmobilmachung der Schweizer Armee, um zu demonstrieren: ihr könnt gerne Krieg führen, aber macht euch auf was gefasst, wenn ihr gegen uns ziehen wollt.
Im deutschen Grundgesetz finden sich dementsprechend den sehr umfangreichen Artikel 115, die ganz genau regeln, wie das Staatswesen im Verteidigungsfall zu koordinieren ist. Desweiteren gibt es, die Bundeswehr betreffend, u.a. den Artikel 87. In Artikel 87 a, Abschnitt 4 wird auf eine weitere Funktion der Bundeswehr hingewiesen: „Zur Abwehr einer drohenden Gefahr für den Bestand der freiheitlich demokratischen Grundordnung des Bundes oder eines Landes kann die Bundesregierung […] Streitkräfte zur Unterstützung der Polizei und des Bundesgrenzschutzes beim Schutze von zivilen Objekten und bei der Bekämpfung organisierter und militärisch bewaffneter Aufständischer einsetzen.“ Der Staat muss also prinzipiell nicht nur in der Lage sein, sich gegen äußere Bedrohungen, sondern auch, sich gegen sein eigenes Staatsvolk zur Wehr setzen zu können, wenn es ihn abschaffen will. Im Notfall wird da nicht lang gefackelt und auch hierzulande die Panzer aus den Kasernen gelassen. Man sieht: der Staat ist nicht dumm.1

Man muss sich anders herum einmal vorstellen, was mit Deutschland wäre, gäbe es keine Bundeswehr. Der deutsche Staat müsste dann, vorausgesetzt, die Polizei wäre nicht militärisch organisiert, ständig befürchten, irgendein Mob bewaffnet sich und stürmt staatliche Einrichtungen. Und ihre internationalen Interessen könnte die Bundesrepublik auch ziemlich vergessen. Wer nimmt in der Weltpolitik schon ein Land Ernst, das kein eigene Armee hat? Zudem ist die Bundeswehr ein wichtiger Wirtschaftsmotor: sie schafft und erhält direkt und indirekt viele tausende Arbeitsplätze.

Wieso sollte diese supertolle Institution nun nicht Werbung dafür machen dürfen, bei ihr eine Karriere zu beginnen?

  1. Eine Randbemerkung: die Schweizer Armee wurde in ihrer Geschichte bisher dreimal „richtig“ eingesetzt: 1975 und 1918 gegen streikende Arbeiter und 1932 gegen streikende Antifaschisten mit jeweils mehreren Toten. Eine komplette Liste der Aktivitäten der Schweizer Armee findet sich hier.[zurück]

Die Klassiker des Liberalismus

Die wahre Freude eines ermüdeten Lesers des „Kapitals“ von Karl Marx* sind die Fußnoten. Dort findet sich z.B. im Kapitel „Der sogenannte Arbeitsfond“ folgende Passage zum sympathischen Vordenker des Liberalismus wie der modernen Disziplinargesellschaft, Jeremias Bentham, der vielen aus dem Ethik- bzw. Religionsunterricht bekannt sein dürfte.
Sie ist nicht nur schön polemisch, sondern enthält in der Tat eine recht gute Kritik am Utilitarismus bzw. am bürgerlichen Alltagsdenken allgemein, die einer Zitation wert ist.

Aber dieses Vorurteil ward erst zum Dogma befestigt durch den Urphilister Jeremias Bentham, dies nüchtern pedantische, schwatzlederne Orakel des gemeinen Bürgerverstands des 19. Jahrhunderts. Bentham ist unter den Philosophen, was Martin Tupper unter den Dichtern. Beide waren nur in England fabrizierbar.

Jeremias Bentham ist ein rein englisches Phänomen. Selbst unsern Philosophen Christian Wolff nicht ausgenommen, hat zu keiner Zeit und in keinem Land der hausbackenste Gemeinplatz sich jemals so selbstgefällig breit gemacht. Das Nützlichkeitsprinzip war keine Erfindung Benthams. Er reproduzierte nur geistlos, was Helvetius und andre Philosophen des 18. Jahrhunderts geistreich gesagt hatten. Wenn man z.B. wissen will, was ist einem Hund nützlich?, so muß man die Hundenatur ergründen. Diese Natur selbst ist nicht aus dem „Nützlichkeitsprinzip“ zu konstruieren. Auf den Menschen angewandt, wenn man alle menschliche Tat, Bewegung, Verhältnisse usw. nach dem Nützlichkeitsprinzip beurteilen will, handelt es sich erst um die menschliche Natur im allgemeinen und dann um die in jeder Epoche historisch modifizierte Menschennatur. Bentham macht kein Federlesens. Mit der naivsten Trockenheit unterstellt er den modernen Spießbürger, speziell den englischen Spießbürger, als den Normalmenschen. Was diesem Kauz von Normalmenschen und seiner Welt nützlich, ist an und für sich nützlich. An diesem Maßstab beurteilt er dann Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Z.B. die christliche Religion ist „nützlich“, weil sie dieselben Missetaten religiös verpönt, die der Strafkodex juristisch verdammt. Kunstkritik ist „schädlich“, weil sie ehrbare Leute in ihrem Genuß an Martin Tupper stört usw. Mit solchem Schund hat der brave Mann, dessen Devise: „nulla dies sine linea“ [kein Tag ohne geschriebene Zeile], Berge von Büchern gefüllt. Wenn ich die Courage meines Freundes H. Heine hätte, würde ich Herrn Jeremias ein Genie in der bürgerlichen Dummheit nennen.

Aus: Marx, Karl: Das Kapital Bd. 1; Dietz Verlag; Berlin, 1957; S. 640/Anm. 63.

Zur Demonstration der Intelligenz dieses Mannes sei hier noch ein paar seiner „lineae“ zitiert, die frapide an die geistigen Hochleistungen heutiger Liberaler erinnert:

Hier möchte ich mit einem gefühlvollen, mitleidigen Freund einen Waffenstillstand schließen, wenn ich eine so aufs Geld ausgerichtete Sprache rede. Ich tue es notgedrungen und möchte auch die Menschheit dazu auffordern, es nur notgedrungen zu tun. Das Thermometer ist das Instrument, um draußen die Temperatur zu messen; das Barometer ist das Instrument, um den Luftdruck zu messen. Wer mit der Genauigkeit dieser Instrumente nicht zufrieden ist, muß andere zu finden suchen, oder er muß der Naturwissenschaft Lebewohl sagen. Das Geld ist das Instrument, um die Menge des Schmerzes oder der Lust zu messen. […] Daher sollte niemand erstaunt oder empört sein, wenn er findet, daß ich in dieser Arbeit alles am Geldwert messe[.]

Aus: Bentham, Jeremy (1981, zuerst 1843) : Zur Philosophie der ökonomischen Wissenschaft; in: Gall Lothar/Koch, Rainer (Hrsgb.): Der europäische Liberalismus im 19. Jahrhundert; S. 269
Zitiert nach: Kurz, Robert: Schwarzbuch Kapitalismus; Ullstein Verlag, 2003; S. 88 f.

Aus aktuellem Anlass

Vier Jahre lang kämpfte Deutschland zu Lande, zu Wasser und in der Luft gegen die fünf Kontinente der Erde. Deutsche Armeen hielten die wankenden Verbündeten aufrecht, intervenierten auf jedem Kriegsschauplatz mit Erfolg, standen überall auf erobertem Boden und brachten ihren Gegnern Blutverluste bei, doppelt so schwer als jene, die sie selber erlitten. Um die Macht ihrer Wissenschaft und Wut zu brechen, war es notwendig, alle großen Nationen der Menschheit gegen sie ins Feld zu bringen. Überwältigende Bevölkerungszahlen, unbekannte Hilfsmittel, unerhörte Opfer, die Blockade zur See konnte fünfzig Monate lang sie nicht bezwingen. Kleine Staaten wurden im Kampfe niedergetrampelt; ein mächtiges Reich zerschlagen, in unkenntliche Fragmente aufgelöst; nahezu 20 Millionen Menschen starben oder vergossen ihr Blut, bevor das Schwert dieser furchtbaren Hand entwunden war. Deutschland, das ist genug für die Geschichte!

Winston Churchill über den ersten Weltkrieg.

Schwarz-Rot-Gold im deutschen Liedgut

Seit zwei Jahrhunderten bedienten sich kreative Köpfe der jeweiligen Sprache ihrer Zeit, um dem anscheinend zeitlosen Gefühl ihrer tiefen emotionalen Bindung an die heimatliche Scholle Ausdruck zu verleihen. Einige Beispiele aus dem Bereich der Liedtexterei:

Schwarz-Rot-Gold sind meine Landesfarben,
dunkler Nacht folgt gold’nes Morgenrot.
Für Alldeutschland Waldecks Söhne starben,
deutsche Treu’ bewahrend bis zum Tod.

(aus dem Lied „Mein Waldeck“, frühes 19. Jh.)

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Zur Psychologie des Patriotismus

Wenn man selbst grau ist, hat man es wohl nötig, sich mit den Farben eines Kollektivs zu schmücken. Naja, wenigstens ist der Blick selbstbewusst stur gen Zukunft gerichtet, zur Sonne, zur Freiheit.

Über das Verrücktsein

„Und woher weißt du, dass du verrückt bist?“ fragte sie weiter.
„Das will ich dir an einem Hund erläutern“, sagte die Katze. „Die sind nicht verrückt, das gibst du doch zu?“
„Ja, vermutlich nicht.“
„Gut“, fuhr die Katze fort. „Wie du weißt, knurrt ein Hund, wenn er wütend wird, und wedelt mit dem Schwanz, wenn er sich freut. Ich dagegen knurre, wenn ich mich freue, und wedele mit dem Schwanz, wenn ich wütend werde. Folglich bin ich verrückt.“

(Aus: Lewis Carroll, Alice im Wunderland)

An unsere katholischen Freunde

Wenn man sich im Gewimmel des katholischen Heiligenpantheons umsieht, stößt man bisweilen auf durchaus sympathische Kuriositäten. So wird in Neapel ein gewisser „Sanctus Januarius“ (italienisch: San Gennaro) als Patron des Doms verehrt. Dieser Heilige war der Legende nach nicht nur ein gewöhnlicher Märtyrer, sondern androgyn, d.h. er vereinigte männliche und weibliche Attribute in sich. So soll er z.B. Monatsblutungen gehabt haben. Zwei Fläschchen dieses männlichen Menstruationsbluts werden bis heute im Dom von Neapel als Reliquie verehrt.
Seltsam ist nur, dass diese Version der Heiligenlegende nur im Umfeld der Nietzsche-Rezeption (Nietzsche widmete dem Heiligen nämlich das 4. Buch der „Fröhlichen Wissenschaft“) überliefert und selbst auf den Online-Heiligenlexika darüber nichts zu finden ist. Hat sich die Bedeutung des Sanctus Januarius im Zuge der Modernisierung der Legende geändert? Wurde der androgyne Charakter des Heiligen im Namen des Kampfes gegen Homosexualität1, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts in ganz Europa tobte, bewusst getilgt?

Das wird so ohne Weiteres nicht zu klären sein, aber zu wünschen wäre, dass sich die katholische Kirche dieser Elemente ihres eigenen Traditionskanons wieder ein bisschen mehr besinnen würde, anstatt Homosexuelle im Sinne einer biblischen Orthodoxie als Sünder zu brandmarken.

  1. Einer der bekanntesten Märtyrer dieses Kampfes dürfte der Schriftsteller Oscar Wilde sein. [zurück]



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