Archiv der Kategorie 'Argumente gegen die Utopie'

Die konfliktfreie Gesellschaft?

„Wir sind Opel“ – So war es auf unzähligen Transparenten und selbst bedruckten T-Shirts zu sehen, die durch ihr schrilles Opel-Gelb selbst im Gewirr der aufgebrachten Menge ein loh-nendes Ziel für die Fernsehkameras boten. Was an einen Marketinggag der neuesten Sorte oder an einen Flashmob unzufriedener Aktionäre, die auf ihre Dividenden warten, erinnerte, spielte sich ganz im Gegenteil am komplett anderen Ende der sozialen Skala ab. (mehr…)

Die Dekonstruktion der ganzen Stadt

Für junge und alte Antifaschistinnen gibt es zahlreiche Gründe, an autonomen Events teilzunehmen. Demonstrationen, die für sich in Anspruch nehmen, den Kapitalismus und dessen Gier zu entblößen, oder Aktionen gegen Aufmärsche politischer Gegner, seien es fundamentale Christengruppen oder das rechtsradikale Lager, haben eben eine gewisse Faszination für sich. Dort kann autonomer alte Demobekanntschaften pflegen (manchmal auch als Vernetzung bezeichnet) und den immer gleichen Inhalten, die immerhin den 0ffiziellen Grund für das Spektakel darstellen, lauschen. Redebeiträge werden oftmals jedoch als langweilig und viel zu langwierig empfunden, da sie im Grunde nur noch einmal den Text des Flyer repetieren. Den breiten schwarz gekleideten Massen geht es wohl vor allem um eines, den großen „Fetz“. (mehr…)

Rote Karte gegen Rechts

Die Demonstration gegen den Naziaufmarsch am 28.02.09 hat wieder einmal unter Beweis gestellt, dass an derartigen „Events“ unter dem Großteil der Gegendemonstranten kaum emanzipatorische Kritik vorhanden ist.
An Aufmärschen der „Ewiggestrigen“ bekommt der gemeine Bürger sporadisch die Möglichkeit, seine Pflicht an der Demokratie zu erfüllen und ein paar Stunden in einem „Aufstand der Anständigen“ Flagge gegen vermeintliche Staatsfeinde zu zeigen. Somit wird wahlweise diversen Gegenveranstaltungen ein Besuch abgestattet, um in „Friede, Freude, Eierkuchen“ – Manier einmal im Jahr die sonst eher verpönte multikulturelle Vielfalt zu zelebrieren bzw. mit lockeren Samba-Rhythmen und alternativ anmutenden Showeinlagen das „Nazigewäsch“ zu übertönen. Der etwas wagemutigere und radikalere Mensch erwägt vielleicht sogar die Möglichkeit, seine demokratischen Mittel auszuschöpfen und aktiv an einer Gegendemonstration teilzunehmen. (mehr…)

Kapitalismusapologie auf intellektuell

Wer ernsthaft fundamtental antikapitalistische Positionen vertritt, wird häufig mit immer wieder denselben abgedroschenen Argumenten konfrontiert. Es ist daher hilfreich, sich einfach mal einen besonders prokapitalistischen Text herauszugreifen – wie mit dem Sack, auf den man draufhaut und immer den richtigen trifft halt.

Via dem Blog von Redsurfer bin ich auf den Text „Das Unbehagen im Kapitalismus“ von Christoph Keese, einem sich durch eine lange Liste von Publikationen empfehlenden Großapologeten liberaler Coleur, gestoßen.
Gehen wir Absatz für Absatz vor.

Im Moment seines größten Triumphes erlebt der westliche Kapitalismus seine größte Krise. Besonders in Deutschland schwankt der Boden unter den Säulen des Systems. Eine Mehrheit der Deutschen glaubt, unter Kapitalismus sei einzig die Ausbeutung der Vielen durch das Gewinnstreben einiger weniger zu verstehen. Unter diesen Schleier des Nichtwissens dringen die Einreden nicht vor. Kapitalismus ist nichts weiter als ein Steuer- und Regelkreis zur bestmöglichen Nutzung knapper Ressourcen. Eigentlich eine recht harmlose Sache.

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Anthropologische Argumente gegen die Utopie II – ein Ausflug in die Untiefen des Laboratoriums

Nachdem im letzten Beitrag unserer Serie „Argumente gegen die Utopie“ die Vorstellung, der Mensch sei ein von Grund auf egoistisch, böses Wesen und deshalb unfähig zur Utopie bildlich gesagt „zum Tanzen“ gebracht haben, geht es in diesem nun um die weitergehende Auffassung, es gäbe Naturkonstanten menschlicher Existenz, die diese in bestimmte Schranken verwiesen. Solch eine Sichtweise ist nicht nur auf Biologen beschränkt, eigentlich finden sie sich in so gut wie allen Wissenschaften wieder. Immer, wenn etwas nicht plausibel erklärt werden kann, greift man gerne mal auf Angeborenes zurück, das hat bereits Platon mit seinen „angeborenen Ideen“ gemacht, auch wenn die für ihn noch nicht aus den Genen, sondern aus einer pränatalen Existenz des Menschen in einem Jenseits stammten (im Dialog „Phaidon“ malt Platons „Sprecher“ Sokrates dieses Jenseits besonders großartig aus). Bürgerliche Ökonomen reden gerne vom Menschen als naturwüchsigem „homo oeconomicus“ und von Dingen wie dem „Tauschtrieb“, dem Streben nach Nutzenmaximierung o.ä., Psychologen versuchen wie z.B. Sigmund Freud in seiner Schrift „Totem und Tabu“ Dinge wie in diesem Fall die Inzestscheu zur Erklärung religiöser Riten zu verwenden. Vom „Todestrieb“ und seinen zahlreichen Nebenbuhlern ganz zu Schweigen. Bekannt dürften weiterhin die theologische Annahme der „Erbsünde“ und das philosophische Konzept des Menschen als „Mangelwesen“ sein. Ohne auf die Unterschiede dieser doch sehr heterogenen Welt- und Menschenbildern einzugehen, ist ihnen doch allen gemeinsam, dass sie, wie gesagt, eine einerseits doch recht schlichte, aber dafür umso schwerer widerlegbare, Erklärung für empirische Fakten bieten, andererseits den empirischen Fakten vom Verhalten der Menschen eine gewisse Legitimation, eine Notwendigkeit verleihen. Am Beispiel Egoismus wurde das ja bereits deutlich gemacht: hier wird der in der kapitalistischen Gesellschaft überlebensnotwendige, aggressiv nach außen gerichtete Egoismus zur Naturkonstante erklärt und so der kapitalistischen Gesellschaft als Ganzes eine Scheinnatürlichkeit unterstellt. Es ist halt ganz selbstverständlich, dass sich die Menschen die Köpfe einschlagen, sie können ja gar nicht anders.1
Der Witz ist, dass sich die Annahme von Naturkonstanten wiederum auch auf die Interpretation der empirischen Fakten auswirkt. Wenn ich von vorneherein davon ausgehe, dass es solche Konstanten gibt, dann finde ich auch ganz schnell welche und wenn ich mal auf ein Faktum stoße, das meiner Hypothese widerspricht, dann erkläre ich das eben zur Ausnahme von der Regel oder versuche es sonst wie in meine Theorie reinzuzimmern. Der Fehler liegt also offensichtlich bereits in der Fragestellung. Klar, wer in die uns aus Quellen und archäologischen Funden bekannte Geschichte schaut, wird ganz schnell auf gewisse Konstanten kommen: Krieg hat es schon immer gegeben und anscheinend haben in der Geschichte auch patriarchale Gesellschaften existiert. Kunst hat es auch schon in der Steinzeit gegeben. Ein Anthropologe geht nun her und sagt: „Es gibt einen Kriegs- und einen Kunsttrieb im Menschen und es gibt angeborene Unterschiede zwischen Mann und Frau, aus denen das Patriarchat hervorgegangen ist.“ Dies ist freilich ein sehr schlichter Schluss, der z.B. völlig von den ganz verschiedenen Formen und Inhalten von dem, was wir heute als „Kunst“ bezeichnen, absieht. Zudem wird so jedwede Möglichkeit eines anderen Zusammenlebens negiert: dass eine Gesellschaft ohne Patriarchat, ohne eine abgetrennte Sphäre mit dem Namen „Kunst“, ohne Krieg möglich wäre, gerät so aus dem Blickfeld. „Es war schon immer so und es wird auch immer so sein“, das ist der Kernsatz der Anthropologie – und zugleich eine als Wissenschaft deklarierte Affirmation der jeweiligen Gesellschaftsordnung. In der Antike ging man halt davon aus, dass es von Natur aus Sklaven und Freie gäbe – heute, dass die marktförmige Konkurrenz den menschlichen Genen immanent* sei. (mehr…)

Anthropologische Argumente gegen die Utopie I

Die häufigsten und wirkungsmächtigsten Einwände, die gegen die Utopie gebracht werden, sind anthropologischer Natur. Die „Natur des Menschen“ verhindere es, dass eine andere Gesellschaft möglich sei, was mit einschließt, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse zugleich mit der „Natur des Menschen“ erklärt und gerechtfertigt werden. Die Argumentationsarten sind dabei unterschiedlich, obwohl allen gewisse Ähnlichkeiten zu Grunde liegen. Hier sollen zwei Argumentationsarten getrennt behandelt werden, obwohl es natürlich Überschneidungen gibt: zum einen eine Art „homo homini lupus“ (der Mensch ist dem Menschen ein Wolf)-Argumentation, die in der Philosophie und Religion eine lange Geschichte hat, zum anderen der eher neuere, biologistische Ansatz, dem Menschen bestimmte angeborene Verhaltensmuster zu unterstellen. Beide Ansätze unterscheiden sich v.a. durch ihre Fundierung: beim ersteren ist diese eine eher geistes-, beim letzten eine eher naturwissenschaftliche. Im Folgenden soll es nur um die erste Form gehen. (mehr…)

Argumente gegen die Utopie

Beim Lesen dieser Überschrift dürfte der eine oder andere Leser dieses Blogs zu Recht stutzig geworden sein. Was, Argumente gegen die Utopie auf der Seite einer antifaschistischen Gruppe, die sich unverhohlen zu Communismus und Anarchie bekennt? Andererseits ließe sich auch von einem antifaschistischen Standpunkt aus vieles gegen utopisches Denken einwenden. Von Platons Philosophen- bis zu Hitlers Volksstaat haben sich Vertreter der Utopie nicht gerade mit Ruhm bekleckert, im Gegenteil. Die Utopie an sich kann also nichts Gutes sein. Trotzdem haben wir es uns jedoch in nächsten Wochen und Monaten zum Ziel gesetzt, auf dieser Website eine Serie von Artikeln der Kritik der üblichen Argumente gegen anarchistischen und communistische Utopien zu widmen. Wir sehen also in utopischem Denken durchaus auch etwas Positives. Wie passt das nun alles zusammen? (mehr…)




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