Stellungnahme der Antifa Horgau zur Löschung ihres Videos auf Youtube

Das Video „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“, welches die Antifa Horgau zu Zwecken der Mobilisierung zu Gegenprotesten im Rahmen des letzten Naziaufmarsches in Augsburg erstellte, wurde durch YouTube selber gelöscht, wie wir bereits in Form eine Email am 26.11.2009 erfuhren.Eine Schilderung näherer Umstände der Löschung gab uns das Unternehmen nicht an, geschweige denn eine genauere Begründung. Das Schreiben glänzte durch seine Kürze, es handelt sich vermutlich auch um ein vorgefertigtes Standardformular, aber man erwartet auch gar nicht mehr.
Lest es am besten selber. Die üblichen Begrüßungsfloskeln, haben wir rausgekürzt:

„Folgende Videos aus deinem Konto wurden deaktiviert, da sie gegen die Community-Richtlinien von YouTube verstoßen:

Der Tod ist ein Meister aus Deutschland – (antifahorgau)

Gegen dein Konto wurde eine Warnmaßnahme gemäß den Community-Richtlinien ergriffen, die in sechs Monaten abläuft. Weitere Verstöße können dazu führen, dass du vorübergehend keine Inhalte mehr in YouTube posten darfst bzw. dein Konto gekündigt wird.“

Die Lektüre der Community Richtlinien, die Nutzungsbedingungen1, brauchten uns jedoch auch nicht wirklich weiter. Die häufige Benutzung des Begriffs „Community“, wie auch schon in der Email weist daraufhin, als was sich das YouTube selbst in der Öffentlichkeit präsentieren will, eben nicht als kapitalistisches, unnahbares Unternehmen, welches das Ziel verfolgt einen möglichst großen Mehrwert zu produzieren, sondern vielmehr als eine globale Gemeinschaft von UserInnen. Deshalb wird in dem Text an ein Ehrgefühl, an Werte wie Solidarität und Respekt appeliert, statt nur gedroht. Vielleicht kann man in die offentsichtliche Unternehmenphilosophie auch Ansätze eines kleinen, virtuellen Staates erkennen, der natürlich nach den Prinzipien der Vorbilder der realen Welt funktioniert.

„Wir verlangen nicht von dir, anderen Nutzern denselben Respekt wie Nonnen, älteren Menschen oder Hirnchirurgen entgegenzubringen. Wir möchten lediglich einen Missbrauch der Website vermeiden.“

Dass wir Nonnen, älteren Menschen bzw. der Religion und dem Alter keinen besonderen Respekt zollen, Hirnchirurgen höchstens um Bezug auf ihre Arbeit, soll nicht Gegenstand der Stellungnahme sein. Es ist aber ein weiteres Beispiel für die Art des Wertvorstellungen innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft. Religion, sowie ihre Tolererierung sind unantastbar, so wie die Würdigung Rentner, ehmaliger, fleisiger LohnarbeiterInnen. Da auch die Community ein Teil dieser ist, müssen sie logischweise auch in dieser gelten und deshalb wird der vorherrschende Wertekanon einfach übernommen.2

Doch so ein großer Respekt wird eben nicht verlangt, es geht doch nur um den Schutz der Seite, somit stets zu Gunsten der Community also aller, es geht um das sogenannte „Allgemeinwohl“. Youtube ist frei nach Friedrich II. „der höchste Diener der Community.“ Bei YouTube werden die Bedürfnisse der Gemeinschaft, des Individuums noch ernst genommen , wird dem/r UserIn versichert, was dem unsrigen Staat mittlerweile allgemeins von den Intellektuellen bis Stammtisch abgesprochen wird, aber ursprünglich seine Vorgabe und Daseinberechtigung, Legitmierung war. Der Staat muss Sorge für die Wünsche seiner BürgerInnen, oder vielmehr den Konsens dieser, relativ gut erfüllen können. Glücklicherweise, vom Standpunltdes Staates aus gesprochen, scheint die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland auch keine großen Begehren mehr zu haben, was das ganze Unterfangen natürlich einfacher gestaltet.
Der Unterscheid ist auch, dass Youtube mit MyVideo, etc. eine ernsthaft Konkurrenz hat. Der Wettbewerb der Nationen reduziert sich nur auf das Abwerben der Eliten, die oft bessere Chancen im Ausland haben. Dem normalen westlichen Arbeiter hingegen wird es außerhalb seines Geburtslandes auch nicht besser gehen.

„Sollten wir dein Video nach der Überprüfung entfernen, kannst du sicher sein, dass wir dies aus gutem Grund getan haben, und du solltest unsere Warnung ernst nehmen.“

Natürlich wird jeder Fall, wie vor einem „realen“ Gericht akribisch geprüft mit dem feinen Unterschied, dass YouTube scheinbar nicht dazu verpflichtet ist, eine genaue Begründung vorzulegen. Deren Notwendigkeit ist aber schon dadurch zurückgewiesen, dadurch dass YouTube immer „aus gutem Grund“, das heißt im Sinne der virtuellen Webgemeinschaft, agiert.
Abgesehen davon, ob eine Prüfung tatsächlich stattfindet, oder nicht, was bei diesem Umfang von Videos allein in Deutschland schwer vorstellbar ist, gibt YouTube aber einige „Spielregeln“ an, nach denen Videos wohl gelöscht werden. Sie verhindern die Darstellung pornographischer Inhalte bzw. solcher mit „sexuell eindeutigen Content“3, krimineller bzw. gewaltätiger Phantasien, sowie den Angriff auf gesellschaftliche Gruppen oder Einzelpersonen.
Wir können uns vorstellen, dass mögliche Gründe der Löschung in unserem Fall die folgenden sind.

„Das Zeigen drastischer oder grundloser Gewalt ist nicht gestattet. Wenn eine Person in deinem Video körperlich verletzt, attackiert oder erniedrigt wird, darfst du es nicht posten.“
bzw.
YouTube ist keine Website, die schockieren soll. Poste keine Videos von schlimmen Unfällen, Toten oder Ähnlichem.

Immerhin zeigen wir Bild der Bombardierungen deutscher Städte, welche eben, zumindest nach deutschen Geschichtsverständnis grundlose Gewalttaten waren, zumidest in der Größenordnung, in welcher sie stattfanden und eine „Erniedrigung“ des starken Volkes stellen die Szenen wohl ebenso dar. Oder es geht auch um die Darstellung von jüdischen KZ-Häftlingen, die bestimmt „drastisch“ ist, doch mittlerweile Bestandteil der Abendprogramms des ZDFs bei Guido Knopp ist und somit ihr Grauen sowieso schon etwas verloren hat. Den Wertekanon an dem sich ouTube orientiert, haben wir bereits herausgearbeitet.
Die Spielregeln stammen von dem Youtube Team, welche somit die Legislative darstellt. Da es auch die Bestrafungen und Verwarnungen ausspricht ist es auch in gewisser Weise die Judikative. Erst an der Exekutive kann sich ein Community Mitglied selber einbringen in diesem Cyberstaat.

„Wenn du der Meinung bist, dass ein Video gegen unsere Nutzungsbedingungen verstößt, klicke unter dem Video auf die Schaltfläche „Melden“, um es von den YouTube-Mitarbeitern überprüfen zu lassen.“

Einen so direkten Eingriff auf die Staatsgewalten kennt man im echten Leben gar nicht mehr, per Mausklick kann man seine Beschwerde, oder vielmehr Anzeige ohne Umwege zu den „Gerichten“ bringen. In Deutschland ist eigentlich die einzige Möglichkeit des Eingriffs die öde Wahl, deren Nutzen und Unnutzen mittlerweile oft genug diskutiert wurde, dass jedeR eine Meinung dazu besitzt.
Freundlicherweise hat man auf YouTube, falls sich der Befund doch als falsch erweist, die vorteilhafte Option sich etwas anderes an zu sehen. Einen tanzenden Ping-Pong Spieler, oder süße Emogirls, welche ihren Traumbollo suchen, eben andere kultivierte, aber weniger störende Videos. Wenn einem in diesem Staat Unrecht geschieht, muss man schlimmstenfalls auch auch längere Zeit darunter Leiden.

YouTube Deutschland bietet einen Staatenersatz in einem Bereich in dem sich kein Staat, höchstens der US-amerikanische, bisher einmischen kann, orientiert sich aber oft an die Vorgaben der Bundesregierung und agiert in dessen Interesse. Das Internet ist eine Grauzone, seine Globalität ist mit den Nationalstaaten und deren begrenzten Idealen von der Grundutopie nicht vereinbar. Alle Regeln sind freiweillig eingeführt um den Ruf des Unternehmens zu wahren oder um für eine Zeit vorzusorgen, in denen der Staat die relative Freiheit des Worldwide Web wieder einschränkt, was solange nicht mehr dauern kann. Es wäre zu inkonsequent für dieses Kontrollsystem. Andere Staaten, der Welt aus der „Achse des Bösens“ haben schon gemacht wie effektiv dieses gelingen kann.
Es ist des Weiteren ein Beispiel von der Symbiose von Staat und Kapital, der Staat schützt YouTube vor Hackern o.Ä., gewährleistet seinen Fortbestand, YouTube sorgt dafür, dass moralische mit dem Grundgesetz konformen Richtlinien im Internet gelten. Vielleicht sollten wir das Unternehmen boykotieren, was jedoch aufgrund seiner Wichtigkeit und seiner Nutzung schwer ist. YouTube offeriert Chancen zur Meinungsverbreitung und sogar der Verbreitung von communistischer Theorie und Propaganda4, die es sonst nicht gab. Auch wenn Lektüre nicht durch das bloße Lauschen eines Vortrags abgelöst werden kann.
Letztenendes wird für die Löschung ein „guter“ Bürger, wahrscheinlich ein CSU -oder Bürgervereinwähler Mitte 40 aus Horgau oder einfach ein Neonazi mitverantwortlich sein für die Misere, weil er den Beitrag meldete. Mitverantwortlich dafür, dass der einzige kulturelle Beitrag im Zusammenhang mit Horgau auf dem Portal YouTube ein Konzert des „Rothaler Muikvereins“ im Nirgendwo der Niederlande ist. Bravo!

Mit dier Harmonie möchten wir den Beitrag auch schon beenden.

  1. Diese können [hier nachgelesen werden.zurück]
  2. Ein weiteres Beispiel hiefür ist, dass auch der Wert der Toleranz in das System integriert wurde.„Wir unterstützen die Redefreiheit und räumen dieses Recht jedem ein, auch bei unpopulären Standpunkten[…]“. [zurück]
  3. Die Formulierung ist ziemlich weitgefasst, so können Mitlglieder der Community zum Beispiel Teile von dem beliebten pornographischen Streifen „One Night in Paris“ sehen, sofern sie angemeldet sind und „über 18″. Vielleicht differenziert YouTube auch hier zwischen „StaatsbürgerInnen“ und „Gästen“. [zurück]
  4. Die wir uns in dieser Form zum Nutzen machen. [zurück]

1 Antwort auf “Stellungnahme der Antifa Horgau zur Löschung ihres Videos auf Youtube”


  1. 1 Marcus Prebridge 26. Dezember 2009 um 18:08 Uhr

    schade, dass es keine feierliche Explosion o.ä. bei der bajuwarischen puff-tata-krawallmusik gab. oder dat der schmied sich auf die daumen gehaun. hab mir das video zuende angeschaut und es war langweilig.

    Bajuwarische Krawallmusik mit c-es-dur müssen wir Kölner auch manchmal erleben. Bin halt ein proisraelischer Saupreiß.

    Grüße,
    Marcus P.

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