Zur naßen, kalten Jahreszeit

Sobald die erste Schneeflocke fällt und sich das Thermometer in ungemütliche Tiefen bewegt, wird man nicht umhin kommen ein seltsames Phänomen zu beobachten. In den kalten Monaten des Jahres sprießt das sog. „Palituch“ in mannigfacher Zahl aus dem Boden und bevölkert nunmehr die deutschen Einkaufsstraßen und Schulhöfe. Dieses Kleidungsstück, das sicherlich einige praktische Vorteile in Sachen Kälteschutz für sich beanspruchen kann, scheint zudem noch das ultimative Accessoire zu sein, da jedermann/frau sich damit stilsicher in modischen Sphären bewegt.
Doch es stellt sich die Frage, ob sich der/die modisch versierte Träger/in auch der politischen Aussage dieses Halstuchs bewusst ist. Weiß das 14-jährige, in Sachen Mode noch in der experimentellen Phase steckende Mädchen, dass sie ihre Vorliebe im Frostschutz mit diversen Neonazis und islamistischen Extremisten teilt? Hiermit soll nun eine kleine Geschichte des „Palituchs“ erfolgen, das dessen historischen Kontext und die heutige politische Tragweite näher erläutern soll.

Dem Palästinensertuch, ursprünglich zum Sonnenschutz in den arabischen Ländern weit verbreitet, kam vor allem seit 1936 eine außerordentliche politische Schlagkraft zu. In diesem Zeitraum galt das Tuch als Sinnbild der profaschistischen Bewegung in den arabischen Ländern, angeführt und politisch repräsentiert durch den Großmufti von Jerusalem, Amin al-Husseini. Dieser geistige und politische Würdenträger hatte einen ausgesprochenen Fable für das nationalsozialistische Deutschland, ebenso wie für den eliminatorischen Antisemitismus. Dies erklärt, warum al-Husseini ab 1941 unter persönlicher Einladung Adolf Hitlers in Berlin lebte und dort als Mitglied der SS für die Ausbildung muslimischer SS-Einheiten auf dem Balkan zuständig war. Mit seinem Aufruf „Ich erkläre einen heiligen Krieg, meine Brüder im Islam! Tötet die Juden! Tötet sie alle!“ rief er seine muslimischen Mitbrüder zum Kampf gegen die Juden auf, die teilweise an grausamen Pogromen leiden mussten. Diese Glaubensgenossen wurden gerade durch die Kaffiyah, wie das Palituch eigentlich genannt wird, auf den antisemitischen Krieg und den Kampf gegen die Moderne eingeschworen. Jeder Araber hatte seine westliche Kopfbedeckung abzulegen und mit dem Tuch wurde auch die Frau in den Schleier gehüllt. „Die Araber Palästinas müssen […] die nationale Kaffiyah tragen. Diejenigen, die […] darauf beharren, den Tarbusch (westl. Hut; d. Verf.) zu tragen, werden wir als unsere Feinde betrachten.“ verlauteten damalige Anordnungen. Sollte aber ein Araber ohne Tuch, eine Frau ohne Schleier erwischt worden sein, drohten ihnen drakonische Strafen, die von Peitschenhieben bis hin zum Tod reichten.

Es mag ein zynischer Zufall der Geschichte sein, dass gerade ein entfernter Verwandter und extremer Apologet al-Husseinis die mörderische Geschichte des Palituchs weiterführte. Yasser Arafat, Anführer der antizionistischen PLO führte unter dem Banner der Kaffiyah den Kampf seines Mentors weiter, nun jedoch gegen den organisierten Judenstaat. Gerade in Deutschland fand das Tuch als Symbol des Widerstands gegen den „Aggressor“ Israel reißenden Absatz und ward nun in allen linksalternativen Kreisen gern gesehen. Vom Anti-Atomkraft-Aktivisten bis zur Friedensmarsch-Initiatorin; alle wollten Teil der antizionistischen Bewegung sein, unter ihrer mörderischen Leitfigur Arafat.
Dies ist wohl auch der Grund, warum das Palituch auch heute noch solch einen reißenden Absatz findet. Ein gewisses Moment von Aufsässigkeit, von Rebellion wird mit ihm assoziiert, was gerade das Selbstverständnis der pubertierenden Jugend ausdrückt. Dass das Tuch aber eben nicht für Individualität und ein selbstbestimmtes Leben steht und sich stattdessen gegen die westliche Moderne, also auch gegen die libertäre Freizügikeit, die von Jugendlichen so sehr geschätzt wird, wendet, hat die Vergangenheit hinreichend bewiesen.

Heutzutage werden die antiwestlichen und antisemitischen Überzeugungen von jungen Neonazis wieder aufgegriffen, die in den letzten Jahren ebenfalls das gemusterte Baumwolltuch für sich entdeckt haben. Ganze Naziaufmärsche werden von einem schwarz-weißen Meer getragen und der Einzelne geht in der Masse von Kaffiyah – Trägern unter. In den arabischen Ländern gesellt sich noch das grüne Djihad – Tuch dazu und mit diesen beiden Symbolen des „Widerstands“ wird zur Vernichtung der gesamten Judenheit aufgerufen.

Nach dieser Ausführung sollte sich der/die geneigte Leser/in und potentieller Freund des Palituchs fragen, ob dieses Modeaccessoire wirklich seiner Grundüberzeugung eines freien und selbstbestimmten Lebens entspricht. An diesem weißen Stück Stoff klebt zu viel Blut um eine unbedarfte Handhabung zu erlauben. Es steht für Judenhass, Frauenunterdrückung und eine besonders eklige Form völkischen Denkens. Dem kalten europäischen Winter dürfte noch mit anderen, weitaus ästhetischeren Kleidungsstücken begegnet werden.


3 Antworten auf “Zur naßen, kalten Jahreszeit”


  1. 1 havanna-style 15. November 2009 um 20:40 Uhr

    Die Geschichte das Palituchs:

    Betrachtet man die Geschichte des Palästinas, so kann man sie als eine Aneinaderreihung von Fremdherrschaft sehen. Über Ägypter, Phönizier, Israeliten (ursprünglich stammte Abraham aus der Stadt Ur im Irak und die Juden haben Palästina schon damals nach Moses´ Auszug brutalst erobert), etlichen Mesopotamiern, Griechen, Römern, Osmanen, Engländern und nun Juden sehen. Die einheimische Bevölkerung war noch nie der Herr ihres Landes. Obwohl diesen Zustand zu berechtigen eigentlich ein nationalistisches Anliegen war, hatte es in vorkommunistischer Zeit doch seine Berechtigung. Ab ende des 19 Jahrhunderts als das wettrennen auf Kolonien der westlichen Mächte wegen Kolonienmangel fast beendet wurde, kam die Arabische Welt ins Blickfeld der Kolonialmächte (England und Frankreich) Das führte natürlich zu Spannungen im Verhältnis und die arabische Welt war gezwungen sich Verbündete zu suchen. Diese fand es im Deutschen Reich. Nur war das leider ein Klogriff für sie, denn den 1 Weltkrieg verlor Deutschland. Palästina wurde nun von England besetzt und in eine Kolonie verwandelt. Dies hatte nun logischerweise eine Widerstandsbewegung zur Folge die das Palituch als ihr Symbol hatte. Dass Leute in westlicher Tracht angefeindet wurden, ist auch klar. Es war anzunehmen dass es sich bei ihnen um Kollaboratöre oder Symphatisanten der Besatzer handelte.
    Und nach 1948 hatten Die Menschen noch ein Problem. Die Juden, die vor 1900 nur wenige Tausend Bewohner des Landes stellten nur weniger als 1% des Landes bewohnten wanderten nun zu Hunderttausenden nach Palästina ein. Mag ja nun sein, dass die Juden dachten, so ihr Leben in der Zukunft bewahren zu können aber man muss es auch von der Anderen Seite sehen. On nun antisemitische Arschlö***, potentielle Mörder, usw. oder nicht, den Palis wurde das Land geraubt.

    Deshalb steht das Palituch für mich für Freiheit, Gerechtichkeit und den Aufstand der unterdrückten Schwachen gegen einen Tyrannen.

  2. 2 Travers 08. Februar 2010 um 19:13 Uhr

    ist zwar schon ein bisschen her, aber hab die seite erst jetz entdeckt, und kalt isses ja immernoch.

    an den havanna-style boi:

    „ursprünglich stammte Abraham aus der Stadt Ur im Irak und die Juden haben Palästina schon damals nach Moses´ Auszug brutalst erobert“

    Ist aber schon ein bisschen konstruiert, findeste nicht? zum einen das du überhaupt mit abraham als stammvater argumentierst, zum anderen das du ihn offensichtlich einem anderen „volk“ zuordnen willst (iraker gabs ja damals noch nicht… babylonier? hmm, gibst ja heute nicht mehr.. schon verzwickt).
    aber scheinst ja allgemein ziemlich auf völkisch nationale Ideen abzufahren: „Die einheimische Bevölkerung war noch nie der Herr ihres Landes“.
    Du bist vermutlich auch der Meinung das Deutschland das Land des deutschen Volkes ist, und eig. auch die „verlorenen Ostgebiete“ wieder heim ins Reich gehören?

    Israel ist notwendiger Schutzraum für Jüdinnen und Juden und kein bürgerlicher Nationalstaat im herkömmlichen Sinne.

    Aber geh du lieber wieder mit deinen Anti-Imp Kiddies spielen und deinen gräszlichen palilappen tragen.

  3. 3 Klaus Stenhagen 24. März 2010 um 17:14 Uhr

    Auch die Israelis machten zwischen 1944 und 1948 aus heutiger Sicht durch Terror gegen die britische Mandatsmacht einerseits und gegen die Araber andererseits auf ihren Wunsch nach einem eigenen Staat in Palästina aufmerksam. Da wurde z.B. ein von der britischen Armee gemietetes Hotel in die Luft gesprengt, in dem die Mandatsmacht Frauen und Kinder der in Palästina stationierten Offiziere unterbrachte. Es wurden profaschistische Araber, aber auch arabische Politiker und Arbeiterführer liquidiert, die sich für einen gemeinsamen Staat aller Juden und Araber aussprachen etc. pp.. Man wollte die Briten zwingen, ihre 1917/18 gegebene Zusage, einen Judenstaat in Palästina zu ermöglichen, endlich zu Lasten der arabischen Bevölkerungsmehrheit einzulösen. Die da heute die israelische Fahne schwenken wissen nicht, welch ein mit Blut besudeltes Tuch sie hochhalten.

    Seinerzeit sprach sich die Kommunistische Partei Palästinas, der Juden und Araber gleichermaßen angehörten, für den gemeinsamen Kampf aller proletarischen Juden und Araber gegen den Klassenfeind aus und strebte ein sozialistisches Palästina der Juden und Araber an. Die Gründung eines kapitalistischen Nationalstaates der Juden in Palästina durch die nationalistisch-zionistische Bewegung unter Ausschluß der arabischen Bevölkerungsmehrheit lehnten die jüdischen Kommunisten dagegen ab.

    Kaum bekannt ist, daß rückkehrwilligen Arabern die Einreise und Ansiedelung in Israel bis heute verweigert wird. Der Staat Israel ist allenfalls bereit, ein paar Hundert Dollar pro Kopf für die verlorenen Häuser, Betriebe und Ländereien zu zahlen, die heute von jüdischen Israelis aus Europa bewohnt und genutzt werden, die mit Billigung des Staates Israel die Häuser, Betriebe und Ländereien in Besitz genommen haben. Deshalb leeren sich die Flüchtlingscamps im Gazastreifen und im Libanon nicht, sondern bleiben Hochburgen radikaler Scharfmacher. Es werden nur jene Araber in Israel geduldet und als Israelis behandelt, die nicht geflohen sind. Israel ist defacto daher heute ein jüdisch-arabischer Staat, der lediglich vorgibt, eine reine Zufluchtstätte der Juden zu sein.

    Es ist bezeichnend, daß dieser Teil der israelischen Geschichte regelmaßig unterschlagen wird bzw. nicht bekannt ist. Wer einseitig für den nationalistisch-zionistischen Staat Israel Partei ergreift, der solidarisiert sich mit diesem früheren Terror einer jüdischen nationalistischen Befreiungsbewegung, der 1948 unter dem Eindruck der Shoa von der westlichen Welt ein kolonialistisches Staatsgebiet in Palästina zugesprochen wurde. Macht man geltend, daß die Unterstützung nationaler Befreiungsbewegungen unzulässig sei, so kann es in der Konsequenz auch keine Unterstützung der Zionisten und ihres Nationalstaates auf fremden Boden geben.

    Würden wir akzeptieren, daß die Nachfahren der Langobarden Mecklenburg anektieren, um hier ihren langobardischen Nationalstaat auszurufen – eben weil vor 2000 Jahren vor der Zeit der Völkerwanderung Mecklenburg die Heimat der Langobarden war? Ich denke nicht. Da es sich in Palästina aber um Juden handelt, die größtenteils einer ethnischen Säuberung der Shoa in Europa und Nordafrika zum Opfer gefallen sind, lassen wir diese hirnverbrannte Begründung eines Staates Israel den Juden in Palästina durchgehen – mehr noch, wir solidarisieren uns mit dieser letzten Burenrepublik des Kolonialzeitalters.

    Viele Juden in der Welt lehnen Israel ab bzw. stehen seiner kolonialistischen Politik gegen die Araber kritisch gegenüber. Eine Lösung „der Judenfrage“ kann es nur in Europa geben, wo die jüdischen Gemeinden endlich als selbstverständlicher Bestandteil der europäischen Kultur anerkannt werden müssen – nicht in einem Protektorat Israel, welches auf Landraub und ethnischer Säuberung der Juden gegenüber den Arabern beruht.

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