Machtspielchen

Ungeheuerliches tritt unmittelbar nach der als voller Erfolg geltender Afghanistan-Konferenz von Den Haag zu Tage. Wie der Spiegel berichtet, unterzeichnete der afghanische Präsident Hamid Karzai schon einige Zeit vor dem Treffen ein Gesetz, das sowohl das gesamte westliche Engagement in dem Land, aber auch jegliche humanitäre Bestrebungen und damit auch vermeintliche Errungenschaften in Sachen Menschenrechte ad absurdum führt.
Durch das neue Gesetz, das ab sofort für die sunnitische Bevölkerung Afghanistans, die ca. 20 Prozent der Bevölkerung darstellt, in Kraft tritt, wird die sunnitische Frau in die absolute Unmündigkeit geführt, die sich ohne Probleme mit der angestrebten Sharia der Taliban vergleichen lässt. Es ist nun gesetzlich festgesetzt, dass der muslimische Mann mindestens „jede vierte Nacht das Recht auf Geschlechtsverkehr mit seiner Frau“ hat und die „Frau verpflichtet [ist], den sexuellen Bedürfnissen ihres Mannes jederzeit eine positive Antwort zu geben“ (es sei denn, sie steht wegen Krankheit nicht zu Verfügung). Damit wird die Frau in einer, zumindest ansatzweise existierenden, demokratischen Gesetzgebung zum reinen Sexualobjekt degradiert und wird selber jeglicher Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse beraubt.
Ein weiterer Punkt dieser schockierenden Gesetzgebung unterstützt die totale Herrschaft des Patriarchats über das ganze Leben der Frau, indem festgehalten wird, dass Ehemänner ihre Frauen jederzeit von „unnötigen“ Beschäftigungen, also Aktivitäten, die über ihre Aufgabe der häuslichen Reproduktion herausgehen, abhalten können.
Auch weitere Paragraphen scheinen genau den regressiven Vorstellungen der Taliban entnommen zu sein. Frauen wird nun, ähnlich wie in Saudi Arabien, das freie Bewegen außerhalb des Hauses gänzlich verwehrt, es sei denn, der Ehegatte gibt ihr die Bestätigung dazu. Außerdem wird das Heiratsalter von jungen schiitischen Mädchen von 18 auf 16 Jahre herabgesetzt, was wohl ein weiterer Vorschub für polygame Zwangsehen darstellt.
Diese fassungslose, gesetzlich legitimierte Erniedrigung der afghanischen Frau wurde von der westlichen Politik mit Entsetzen aufgenommen. Der Fall zeigt, dass das Konzept der Unterstützung von Warlords und alteingesessenen Machteliten, aus der Karzai stammt, nicht dem demokratischen Wandel zugute kommt. Um die politische Lage im eigenen Land zu stabilisieren und die Macht nicht an die Mullahs zu verlieren, reicht der noch säkulare Staat sowohl in Pakistan als auch in Afghanistan den Islamisten immer öfters die Hand. In Pakistan wurde letzten Monat sogar eine ganze Provinz der religiösen Rechtssprechung der Taliban überlassen. In Hinblick auf die kommenden Wahlen in Afghanistan scheint es aus diesem Blickwinkel plausibel, dass Karzai, der sich übrigens bis jetzt zu keiner Stellungnahme bewegen lies, alles versucht, um sein Image in der eigenen Bevölkerung aufzubessern und die extremistischen Kräfte zu bändigen. Welchen Preis er zukünftig noch bereit sein wird zu zahlen, bleibt völlig offen. Die Taliban gab sich jedenfalls trotz der pakistanischen Zugeständnisse nicht zufrieden und postuliert immer noch die globale Einführung der Sharia, wenn nötig auch mit weiterer Gewalt.





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