Der Tod ist ein Meister aus Deutschland

Infoflyer der anifahorgau zur geschichsrevisionistischen Demonstration am 28.02.09:

Alle Jahre wieder jähren sich die alliierten Bombenangriffe auf Augsburg, und wie jedes Jahr wird unterschiedlich mit dem Ereignis umgegangen.
Zu allererst gilt es festzuhalten, dass die Bombardierung des Industriestandorts Augsburg ohne jeden Zweifel gerechtfertigt war und keiner Diskussion bedarf. Die Stadt galt mit den Waffenschmieden Messerschmitt (Luftwaffe) und MAN (Panzer, Militärfahrzeuge, Flotte) als kriegswichtige Produktionsstätte, tausende Häftlinge aus dem KZ Dachau mussten hier unter unmenschlichen Bedingungen für die deutsche Kriegsmaschinerie ihren Arbeitsdienst ableisten. Diese Situation stellte ein immens wichtiges strategisches Ziel für die alliierten Befreiungspläne, die sowohl den deutschen Terror an der Ostfront, als auch den systematischen Massenmord beenden konnten, dar. Im Vergleich zu etwas komplizierteren Sachverhalten (wie der Angriff auf Dresden) kann und muss der Schlag gegen Augsburg als eine rein rationale militärische Operation angesehen werden, da zum größten Teil nicht-zivile Ziele bombardiert wurden (z.B. Messerschmitt in Haunstetten). Jedoch auch zivile Schäden, die es gab und einzelne tragische Schicksale hervorgerufen haben mögen, dürfen nicht als „Racheakt“ oder „Bombenholocaust“ empfunden werden, wie es der braune, geschichtsrevisionistische Teil der deutschen Gesellschaft und am 28.02.09 die Nazikundgebung in Augsburg bezeichnet. Vielmehr ist auch dies dem militärischen Kalkül der demokratischen Kräfte anzurechnen. Die Zerstörung von Infrastruktur und die Demoralisierung der Bevölkerung sind legitime Mittel und waren in diesem Fall mit Sicherheit auch angebracht (nicht zuletzt, da explizit ein Groß-teil der Bevölkerung in Augsburg sich stark mit der nationalsozialistischen Ideologie identifizierte.
Damit beginnt auch die Kritik an diversen bürgerlichen Veranstaltungen (wie sie am 26.02.09 in Augsburg stattfindet) und deren Gedankenkonstrukt, das Kundgebungen von nationalen Kräften ächtet, da so angeblich das Gedenken an die (deutschen) Opfer des Kriegs instrumentalisiert werde. Blickt man aber hinter die Fassade dieses Denkens, muss man feststellen, dass das bürgerliche und nazistische Meinungsbild denselben Nenner besitzt. Beide Gruppen empfinden die im Krieg getöteten Deutschen wie jeden anderen Kriegstoten als Opfer, der einfache deutsche Bürger hatte keinerlei Möglichkeit, die „aufgezwungene Diktatur“ an ihren Taten, die eh nur von einer kleinen Elite ausgeführt wurden, zu hindern. Das Volk war jedoch keinesfalls passiver Beobachter, wie es oft deklariert wird, sondern aktiv am NS-Faschismus und am Massenmord beteiligt. Erst durch die Zustimmung der breiten Bevölkerung konnte Hitler sein Regime einrichten, erst durch allgemeine Bereitschaft konnte ein Angriffskrieg mit über 50 Mio. Toten geführt werden, erst durch aktives Mitwirken und Ignorieren konnte ein singulärer Genozid begangen werden. Allein das Dörfchen Horgau zeigt, wie sehr der Faschismus selbst in der kleinsten Zelle wirkte und angenommen wurde.
Der Unterschied zwischen inzwischen allseits akzeptierter Geschichtsrelativierung der bürgerlichen Seite und radikalisiertem Geschichtsrevisionismus liegt in der Vorstellung, dass durch Nazigedenken, das zum größten Teil in der Gesellschaft allgemein geächtet wird, die „Opfer“ in ihrem Status und ihrer Würde verletzt werden. Dass hier eine krude und irrationale Logik im bürgerlichen Verständnis vorliegt, sollte jedem ins Auge springen.

Deshalb fordern wir eine Beendigung der Opfer-Täter Verdrehung und eine alleinige Solidarisierung mit den wahren Opfern des deutschen Verbrechens.


1 Antwort auf “Der Tod ist ein Meister aus Deutschland”


  1. 1 Lolle 05. März 2009 um 16:31 Uhr

    Guter Text!

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