Die Antwort

Thomas Hafner antwortete uns auf unsere Benachrichtigung via Email.

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für Ihren offenen Brief. Sie sprechen darin ein Thema an, welches uns auch sehr am Herzen liegt. Sie dürfen uns glauben, dass wir nichts vergessen, verdrängen oder gar vertuschen wollen. Der Umgang mit der eigenen Geschichte ist immens wichtig um gleiche oder ähnliche Fehler in der Zukunft nicht zu wiederholen. Über das Lager in Horgau haben wir in den letzten Jahren einiges an Material zusammen getragen. Zurzeit befasst sich ein Projekt der Kolping-Jugend in Zusammenarbeit mit der Realschule Neusäß und der Gemeinde Horgau mit der Aufarbeitung der Geschichte des Lagers in Horgau-Bahnhof.

Der frühere Horgauer Markus Seiler leitet, bzw. hat die Koordination dieses Projektes übernommen. Bei einem Gespräch mit mir hat er erwähnt, dass er auch schon versucht hat mit der Antifa Horgau diesbezüglich Kontakt aufzunehmen. Wir würden uns freuen, wenn eine solche Zusammenarbeit zustande käme.

Dieses Projekt soll dazu dienen, dass dieser Teil unsere Geschichte nicht in Vergessenheit gerät. Dazu ist auch geplant, Bestandteile des Lagers wieder zugängig und kenntlich zu machen und somit dauerhaft der Nachwelt zu erhalten. Für dieses Projekt haben wir bereits einige Zeitzeugen aus Horgau gewinnen können. Im Frühjahr werden erste Arbeiten beim Lager durchgeführt. Diese sind mit dem Forstamt und der Denkmalschutzbehörde abgesprochen. Mit Abschluss des Projektes, spätestens im Sommer 2009, werden wir die Ergebnisse auch auf unserer Homepage veröffentlichen und eine Abteilung dafür anlegen. Für Ratschläge, Kritik, Mitarbeit oder Ergänzungen sind wir jederzeit dankbar.

Sie können sich gerne jederzeit bei mir über den Fortgang der Arbeiten erkundigen. Ihr Schreiben leite ich an den Gemeinderat mit der nächsten Ladung weiter.

Mit freundlichen Grüßen

Thomas Hafner, 1. Bürgermeister

Die Gemeinde versucht also zu handeln, was sicher ein sehr löbliches Engagement ist, deshalb hier unsere versöhnliche Antwort.

Rückmeldung der Antifa Horgau auf Ihr Antwortschreiben

Sehr geehrter Herr Hafner,

vielen Dank für ihre schnelle Reaktion auf unseren Brief.
Wir würden uns freuen, wenn Sie uns gestatten würden, über Ihre Antwort zu berichten, beispielsweise auf unserer Homepage.
Wir, die Antifa Horgau, begrüßen das Engagement der Gemeinde in Hinsicht der eigenen Geschichtsaufarbeitung sehr, da der konkrete Schritt eines Gedenkens an das KZ –Außenlager ein wichtiges Ziel unserer Gruppe war und ist.
Da wir verständlicherweise auch weiterhin in der Anonymität agieren wollen, müssen wir von Aktionen, die unsere Identität preisgeben, leider absehen. Ansonsten stehen wir grundsätzlich für eine Mitarbeit und kritische Analysen an diesem Projekt gerne zu Verfügung.

Sie können uns jederzeit per E-mail erreichen und informieren.

Mit freundlichen, antifaschistischen Grüßen

Ihre Antifa Horgau

Wir werden nun die Ergebnisse abwarten und, wenn nötig, auch kritisch kommentieren. Es wird sich zeigen, ob die Anstrengung der Gemeinde ein weiteres Beispiel der typischen modernen bürgerlichen Geschichtsauffassung wird – eine, die Täter zu Opfern macht, weil diese eben „überhaupt nichts von den Verbrechen wussten“ (wie man es in Augsburg des Öfteren zelebriert, spätestens am 28.2. wieder).
Vielleicht überascht die Gemeinde aber auch, indem sie sich hiervon emanzipiert. Horgau ist ein gutes Beispiel, wenn es um die Ausbreitung des Nationalsozialismus sogar bis in kleinste Dorf geht. KZ-Außenlager, Herberge für Kriegsheimkehrer von der Ostfront oder Kriegsgefangene in der landwirtschaftlichen Produktion, das ganze Programm wurde in diesem kleinen Bauernkaff abgefeiert und kann stellvertretend für den gesamten NS – Mechanismus angesehen werden. An diese Stelle könnte man anknüpfen und viel herausholen.
Wir wünschen der Gemeinde daher ein gutes Gelingen und das Geschick einer würdigen Aufarbeitung. Wir sind die letzte Generation, die mit Zeitzeugen reden und Orte der praktizierten Barbarei, die dem langsamen Verfall ausgesetzt sind, besichtigen kann – dies verpflichtet uns zu handeln, damit sich Auschwitz nie mehr wiederholen kann.





Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: