Schwul oder was?

Heutzutage fungiert sogar schon die BILD Zeitung als aufklärerisches Organ

Jedem ist die Problematik bewusst: Geht man wahllos auf irgendeinen Schulhof der Bundesrepublik, schlagen einem permanent Sprüche wie „Ist das schwul!“ oder „Schau dir mal den Schwuchtel an!“ ins Gesicht. So kann eine Matheaufgabe genauso „schwul“ sein wie der neue Look des Banknachbar.
In letzter Zeit setzte sich in der deutschen Jugendsprache der, von den Jugendlichen meist herabwertend gemeinte Begriff „schwul“ immer mehr durch, so dass er mittlerweile nahezu für jegliche Abwertung missbraucht werden kann und so einen gänzlich inflationären Charakter erfährt.
So hat die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft 2007 die Hassfloskel „Schwule Sau“ als häufigste Beschimpfung unter Jugendlichen festgestellt.

Gegenstand des Begriffs ist eine Randgruppe der Gesellschaft, da er vornehmlich
zum Gegenstück des Männlichkeitsideals verwendet wird, vor allem die Gemeinschaft der Homosexuellen, und nicht so sehr der Lesben oder Transsexuellen (obwohl diese Gruppe auch immer mehr in den Vulgärjargon rückt).
Der Unterschied zu anderen Randgruppen, die dem Namen nach in Schimpfwör- tern Verwendung finden besteht darin, dass Homosexuelle im sozialen Leben eines Heranwachsenden eine präsentere Rolle einnehmen, als z.B. „Behinderte“. Der „Schwule“ ist ein von verschiedensten Kreisen propagiertes, allseits akzeptiertes Feindbild, dessen Verachtung von der Gesellschaft viel mehr akzeptiert bzw. toleriert wird, als die Herabwürdigung von Handicaps.
So wird es weniger häufig unter der breiten Masse von Jugendlichen vorkommen, einen Rollstuhlfahrer auf offener Straße „Spasti“ zu nennen, als einem feminin gekleideten Jungen „Schwuchtel“ hinterher zurufen.
So lautet die Frage, die sich uns dabei stellen muss: Wie homophob ist die Jugend in Deutschland? Und was für Ursachen hat diese allgemeine Verachtung von sexuell Andersorientierten?

Als erstes muss die Bedeutung des Ausdrucks betrachtet werden, welches Bild sich hinter dem Begriff verbirgt.
Zunächst ist eine homosexuelle Einstellung nichts anderes als der Gegenpol zu einem herkömmlichen, heterosexuell männlichem Verständnis. Doch in der heutigen Jugend (und in allen Generationen davor) gilt das allerorts gepredigte Männlichkeitsideal als non plus ultra, als „Normalzustand“, der unter allen Umständen und auf die Gefahr hin, andererseits von der Community ausgeschlossen zu werden, gewahrt werden muss. Jegliche Abweichung von der gängigen Norm wird diskreditiert und von der breiten Masse geächtet.
Dies hängt möglicherweise auch mit der Selbstfindung im Prozess der Pubertät zusammen, in dem der/die Jugendliche einem Ideal hinterher strebt, das moralische Zuflucht bietet. Und was fiele da leichter, als sich an ein chauvinistisches Weltbild zu klammern, das in unserer patriarchalen Gesellschaft von allen Seiten vorgegeben wird?
Das beste Beispiel, das Opfer dieses Männlichkeitswahns ist, stellt die Subkultur der sog. „Emos“ dar. Diese Jugendbewegung, die seit ein paar Jahren viel Zuspruch von Jugendlichen erfahren hat und deren Mode schon in einen Teil des Mainsteams angekommen ist, sticht durch ihren feministisch angehauchten, grellen Style heraus, den auch viele männliche Vertreter tragen. Es kursieren zahlreiche Photos im Internet, auf denen zwei sich küssende Jungs Händchen haltend entlang laufen und sich mit schwarz geschminkten Kajalaugen verliebt anschauen. Man kann sagen, dass die Emokultur als einzige Jugendkultur homosexuelle Wünsche und Bedürfnisse reflektiert und in der gleichgeschlechtliche Liebe nicht auf grundsätzliche Ablehnung stößt.
Doch bezeichnenderweise wird gerade dieser Subkultur mit massiver Ablehnung begegnet. Wer kennt sie nicht, die angeekelten Blicke und Sprüche wie: „Wie sieht der denn aus?!“ oder „Scheiß Emo!?“. Aufgrund des „anormalen“, „mädchenhaften“ Aufzugs ziehen Emojungs den Hass einer breiten Schicht der Jugendlichen und, das ist bemerkenswert, auch von einem Großteil anderer Subkulturen, auf sich.
Nach demselben Schema funktioniert auch die Abneigung gegenüber der Musikgruppe „Tokio Hotel“. Frontmann Bill, der sich durch eine hoch toupierte Mähne und stark geschminkten Augen in Szene zu setzen weiß, wird ebenfalls Ziel einer chauvinistischen Hetze. Sätze wie, „Der sieht ja aus wie ein Mädchen!“, stellen noch die harmlosesten Beschimpfungen dar.

Schließlich belegen auch wissenschaftlich gesehen mehrere Studien1, dass unsere Jugend eine stark homophobe Haltung einnimmt. So befragte das renommierte Institut „iconkids & youth“ 2002 ca. 700 Jugendliche, was sie von homosexuellen Mitmenschen halten. Das schockierende Ergebnis: 71 Prozent der befragten Jungs gaben offen zu, Schwule und Lesben nicht oder überhaupt nicht zu mögen, bei den Mädchen waren es 51 Prozent. Auch in einer Umfrage im Jahr 2006 des „LSVD“ (Lesben und Schwulenverbände in Deutschland) fanden 48 Prozent der Jugendlichen schwule, sich küssende Männer abstoßend, bei Deutschen mit Migrationshintergrund lag die Abneigung sogar bei ca. 77 Prozent.
Letztendlich kann gesagt werden, dass nahezu 3/5 der 12-17jährigen in Deutschland mehr oder weniger offen schwulenfeindlich sind.

Um nun die Ursachen dieser erschreckenden Tatsache ausfindig zu machen, werfen wir zunächst einen Blick auf die Jugendkultur und deren Szenen.
Eine (Sub-)Kultur, in der der Männlichkeitsfetisch am offensten zu Tage tritt, ist eine Form des HipHop, der einem großen Teil der Heranwachsenden als Identifikation dient, nämlich der sog. „Gangsta-Rap“.
Diese Art des HipHop definiert sich selbst als die Stimme der Unterschicht, in der harte, archaische Sitten herrschen und in der das Prinzip des Stärkeren gilt. Paradoxerweise fühlen sich nicht nur Jugendliche aus dem unteren Bereich der Gesellschaft dazugehörig, sondern auch Mittelstandskinder, die dieser kulturellen Form viel Faszination abgewinnen können.
Man kann sagen, dass Rapper wie Bushido oder G-Hot krampfhaft versuchen, ein künstliches „Ghetto“ zu kreieren, in dem sie für eine von ihnen definierte Unterschicht, die ja ohne Zweifel Realität ist, das Sprachrohr für die Wut einer ganzen Generation sind.
Dieser „Ausdruck von Wut“ besteht aber nicht im Anprangern sozialpolitischer Defizite, sondern vielmehr in der Hetze gegen Schwule und „Tunten, die man vergaßen sollte“ (Bushido).
Man braucht nur einen kurzen Blick auf diverse Blocks im Internet zu werfen, um diese kranke Ideologie und ihre Wirkung auf Heranwachsende zu begreifen. So schreibt „metalanschi“ in einem Kommentar: „Schwule sind krank und gehören gehängt!“ Auf die Frage, wie in der Schule auf ein Coming-Out eines Homosexuellen reagiert werden würde, erklärt ein User: „Stellt euch mal vor, einer outet sich an einer Schule, der würde die Pausen auf einem Baum verbringen und Däumchen drehen…SCHEISS TUNTEN!“
Diese Aussagen sind beliebige und in Massen vorhandene Beispiele, wie sich der ständig gepredigte Schwulenhass auf alltägliche Situationen auswirkt.
Es herrscht ein Klima der Angst, das jeden Jugendlichen, der sich seiner Sexualität unsicher ist, wieder zurück in den gedanklichen Mainstream wirft und ihn orientierungslos seinem Schicksal überlässt. Das dies sowohl psychische als auch soziale Probleme mit sich führt, ist nicht schwer zu erraten.

Des weiteren existiert aber auch abseits des jugendlichen Mainstreams und des Gangsta-Raps eine mehr oder weniger stark ausgeprägte homophobe Auffassung in anderen subkulturellen Strömungen.
Teile der Reggaeszene finden sich tief im schwulenfeindlichen Morast wieder, selbst das Szenenmagazin „Riddim“ prangert die Missstände und die Ignoranz in der deutschen Szene, mit der diesen begegnet wird, an. Texte wie „Der homosexuelle Mann sollte erschossen werden oder mit Säure übergossen, aufgehängt oder verbrannt werden“ stammen nicht von sadistischen Folterfantasien eines deutschen KZ-Wächters, sondern entspringen der Feder des Reggaekünstlers Buju Banton. Im Gegensatz zu Italien, wo die Reggaeszene von linken Kräften dominiert wird und Konzerte mit homophobem Inhalt auch mal gestürmt werden, herrscht in Deutschland eine nicht hinnehmbare Gleichgültigkeit unter ihren Anhängern (ein größtenteils exzellenter Artikel dazu befindet sich auf www.riddim.de/feature.php?id=268).
Auch in der Hardcore-, Punk- und Fußballszene können männlichkeits- fetischisierende Tendenzen ausgemacht werden.

Diese oben genannten Fakten spiegeln sich zum Teil auch in den bürgerlichen Medien wieder. Beiträge in Print und TV thematisieren das Problem oberflächlich anhand publikumswirksamen Schlagzeilen und sehen die Ursache allen Übels in einigen wenigen Akteuren, die durch ihren moralischen Verfall die Jugend zu dieser Haltung fehlleiten.
Nur hat weder Bushido und Co. die Homophobie erfunden, noch ist der Schwulenhass vom Himmel gefallen. Die Ursachen müssen vielmehr in der Gesellschaft gesucht werden, die jedoch jegliche Schuld von sich weist und sie auf parallele Strukturen abwälzt.
Unsere Gesellschaft wird teilweise immer noch von einem reaktionär patriarchalen Familienbild bzw. starren, konservativen sozialen Strukturen bestimmt, in denen bestimmte Normen gelten und Andersartiges diskreditiert wird.
Es ist die Eigenart dieses Komplexes, Abweichungen in jeglicher Hinsicht zu ächten, da diese eine Gefahr sich selbst darstellen (so ist es einer alternativen Lebensweise /Einstellung von sich aus immanent, die herrschenden Prinzipien zu hinterfragen).
Diese Form ist davon abhängig, dass jedes Mitglied sich dem allgemeinen Konsens unterwirft und die gegebenen Strukturen anerkennt. In der 68er Bewegung wurden gängige Gesellschaftsstrukturen teilweise durchbrochen und vorherrschende Werte in Frage gestellt, so dass wir heute emanzipiertere Vorstellungen als vor dem reaktionären braunen Einheitsbrei der frühen Nachkriegszeit haben.
Dennoch haben sich Ängste und gestrige Vorstellungen tief in der Gesellschaft verwurzelt und pflanzen sich auch in die jüngere Generation fort. Diese dumpfe Brühe von rassistisch aufgeladenen Vorurteilen bricht von Zeit zu Zeit aus und offenbart sein hässliches Gesicht, wie z.B. eine beispiellose Hetzjagd auf sog. „Ausländer“ in Mügeln, in der ein aufgebrachter Volksmob starke Assoziationen an Bilder von brennenden Synagogen erweckte.
Die selben Ressentiments wie gegen Ausländer werden eben auch gegen sexuell Andersorientierte gehegt. Im Nationalsozialismus gipfelte der Hass gegen diese Andersartigkeit ähnlich wie im Antisemitismus in der systematischen Vernichtung Homosexueller, der rosa Wimpel auf der Kleidung der KZ-Häftlinge kann als ein Synonym des „Judensterns“ angesehen werden.
So verwundert es nicht, wenn sich auch gegen diese „Randgruppe“ von Zeit zu Zeit angestauter Hass entlädt, in letzter Zeit zeigte dies der Anschlag auf das Mahnmal für verfolgte Homosexuelle im 3. Reich oder der brutale Überfall auf einige Drag-Anhänger/innen in Berlin.

Doch genauso wie den Vorstellungen und Praktiken der Gesellschaft an sich eine Mitschuld an der Homophobie in Deutschland zugesprochen werden kann und muss, so darf auch die politische Instanz nicht außer Acht gelassen werden.
Erstens hat eine „politische Homophobie“ zum Teil noch konkretere Auswirkungen auf die Betroffenen, zweitens werden durch die Praktiken der politischen Organe wiederum Denkweisen in der Gesellschaft Vorschub geleistet,
so dass beide Ebenen zwanghaft dialektisch miteinander verwoben sind.
Dass der Gleichheitsgrundsatz für Schwule und Lesben im Staate Deutschland keine Selbstverständlichkeit ist, zeigen folgende Fälle:
Das von allen Seiten eingebläute Bild des ach so liberales Deutschland, welches sich die gleichen Rechte für jedermann (teilweise auch jederfrau) auf die schwarz-rot-goldene Flagge geschrieben hat, verschwimmt etwas, wenn man sich die realen Maßnahmen der Politik ansieht.
Das Land, in dem vor 60 Jahren systematisch sexuell Andersorientierte vernichtet worden sind und das sich heute als gänzlich aufgeklärt und geläutert ansieht, hat es erst vor 7 Jahren geschafft, Homosexuellen die gleichen Rechte bei der Eheschließung zuzugestehen!
Aber selbst dieses Mindestmaß an demokratischem Verständnis wurde lange Zeit von etablierten Parteien blockiert und kritisiert. So geschehen u.a. in Bayern, Sachsen und Thüringen, in denen es als „Gefahr für Ehe und Familie“ angesehen wurde (was uns wieder auf die oben genannten Gesellschaftsstrukturen verweist).
Auch aktuell lässt sich ein Fall von offensichtlich politischer Diskriminierung
finden. Bei der Reform des Erbschaftsteuerrechts wird die Homoehe nicht als vollwertige Partnerschaft angesehen und so besitzt der Überbliebene nur einen Steuerfreibetrag von 5 200 Euro. Im Gegensatz dazu wird dem Angehörigen einer gesunden deutschen Hetero-Ehe ein Betrag von 307 000 Euro zugestanden.
Diese zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit, die ganz klar einen Bruch mit dem Gleichheitsgrundsatz darstellt, soll nach Willen der CDU/CSU noch verschärft werden. Die Union fordert nichts anderes als die komplette Abschaffung des Freibetrags!

Nun mag der ein oder andere fragen, was denn dies alles mit dem Schwulenhass unter Jugendlichen zu tun habe.
Die Jugend wird größtenteils nicht unmittelbaren Bezug auf politische Entscheidungen wie dem Erbschafsrecht oder sozial-gesellschaftliche Exzesse wie den Angriff auf Drags in Kreuzberg nehmen. Jedoch liefert eine Gesellschaft, in der Homophobie toleriert, schlimmstenfalls offen gebilligt wird, den Nährboden für die nächste Generation, die sich an den Werten und Einstellungen der Eltern orientiert.

Die Schule, die eigentlich für eine aufgeklärte und emanzipierte Pädagogik einstehen sollte, kommt heute ihren Verpflichtungen kaum nach.
So ist Berlin-Brandenburg das einzige Bundesland, in dem die Behandlung des Themas „Homosexualität“ überhaupt vorgeschrieben ist. Im übrigen Land sind Kinder und Jugendlichen sich absolut selbst überlassen, sei es bei der eigenen sexuellen Orientierung oder der Auseinandersetzung mit Homosexuellen.
Falls ein Jugendlicher eine Veränderung in seinem sexuellen Verständnis bemerken sollte, wird er durch keinerlei pädagogische oder informative Hilfe unterstützt, obwohl gerade hier die Schule als persönlichkeitsbildende Instanz gefragt wäre. Der Schüler würde nur die ablehnende Haltung der Klassengemeinschaft gegenüber gleichgeschlechtlicher Liebe kennen und so in Selbstzweifel verfallen, dem zufolge Formen von Persönlichkeitsstörungen nicht unwahrscheinlich wären.
Auch umgekehrt lässt sich das Defizit an den Schulen beobachten.
Beim Outcoming eines Schülers schlägt diesem oft eine massive Anfeindung entgegen, die eben auf unaufgeklärtem Gedankengut basiert und mit der die Lehrkraft meist komplett überfordert ist.
In der ZDF-Doku „SOS Schule“ wurde dies beispielsweise aufgezeigt. Der Schüler Bernd, der gerade seine Homosexualität bemerkt hat, wird von seiner Klasse in extremster Form diskriminiert, gemobbt und sozial isoliert, allein weil ihm das „Schwulsein“ nachgesagt wird. Die Lehrerin weiß sich und dem Schüler nicht zu Helfen und sieht das Coming-Out als einzige Lösung. Darauf hin wird das soziale Leben für Bernd in der Klassengemeinschaft absolut unerträglich und die Schulleitung sieht die einzige Lösung des Problems im Wechseln der Schule, was Bernd auch durchführt.
Ein Beispiel für die Inkompetenz, mit der größtenteils an deutschen Schulen an die Problematik herangegangen wird.

Schließlich bleibt die Frage, mit welchen Lösungsansätzen der Homophobie unter Jugendlichen entgegengewirkt werden muss.
Zunächst muss der Schwerpunkt ganz klar in der Aufklärung der Jugend liegen. Vor allem die Schule muss ihrer Erwartung endlich gerecht werden, und die Behandlung von Homosexualität fest in den Unterricht integrieren. Genauso wie über das Verhältnis von Mann und Frau soll das Thema der gleichgeschlechtlichen Liebe in die Sexualkunde eingebracht werden.
Die Zuneigung von Mann zu Mann, Frau zu Frau etc. muss als absolute Normalität dargestellt werden. Es ist klar zustellen, dass die Sexualität eines Menschen nicht gottgegeben, sondern ein persönlicher Selbstfindungsprozess in der Gesellschaft ist.
Auch würde ein ganz konkreter Kontakt mit einem/einer Homosexuellen dazu verleiten, die gängigen Stereotypen und Vorurteile über den Haufen zu werfen und so Misstrauen und Hass abzubauen.
Letztendlich muss sich jeder Jugendliche selber fragen, ob sich in seinem Gedankengut nicht doch in irgendeiner Weise Vorbehalte oder Schlimmeres gegenüber „Schwulen, Lesben, Transen“ eingenistet haben und so sein Verhalten und seine Umgangsform beeinflussen.
Der einfache Gebrauch der abwertenden Floskel „schwul“ reicht schon aus, um ein mehr oder weniger homophobes Gedankenkonstrukt auszumachen.

Nicht in der Absicht in Pathos verfallen zu wollen: Die Problematik muss gerade hier, an der Wurzel der Gesellschaft angegangen werden, um das künftige Gesellschaftsklima und die Politik human zu gestalten.
Nur eine Jugend, die sich solidarisch mit anders Orientierten und Minoritäten zeigt, gewährt eine lebenswerte Zukunft.

1) iconkids & youth international research GmbH, Pressemitteilung vom 6.Mai 2002
Bernd Simon 2007, Einstellung zur Homosexualität


6 Antworten auf “Schwul oder was?”


  1. 1 Auxburger 04. Dezember 2008 um 19:16 Uhr

    toller, informativer text!
    schön, dass sich mal jemand die mühe macht, dieses (anscheinend auch in der radikalen linken) „ausgelutschte, langweilige“ thema mal wieder anzusprechen und vor allem auf die aktuellen missstände vor allem bei jugendlichen einzugehen.
    fight homophobia!

    wünsch euch weiterhin viel erfolg bei eurer politischen arbeit und beim texte schreiben

  2. 2 Barbula 07. Dezember 2008 um 19:42 Uhr

    Auch ich kann mich dem Lob nur anschließen!

    Ein gut recherchierter, zweifellos lesenswerter Text.

  3. 3 redsurfer 18. Dezember 2008 um 8:26 Uhr

    ANDERES THEMA!!!

    Hallo Antifa Horgau,

    in der Zeitschrift „Mitbestimmung“ liest man eine Kritik an eurer Kritik von Arbeitszeitkonten:

    Huber hatte wohl nicht an Michael Endes Roman „Momo“ gedacht. In dem Werk, das 1986 erschien, klauen Zeitdiebe den Menschen ihr kostbarstes Gut gerade mit einer „Zeitsparkasse“. Die Diebe geben die Zeit, die angespart wird, einfach nicht wieder zurück. Man hat in diesem Buch eine Kritik am heutigen Geldsystem gesehen – ein Votum für ein Freigeld, das zerrinnt wie die Zeit, oder als Kritik an einem Leben, das auf Zeitnot gebaut ist und dann doch vergeht. So ließ nach dem Vorstoß des IG-Metall-Vorsitzenden die Häme von links außen nicht lange auf sich warten. „Das, was Michael Ende noch als furchtbare Dystopie ausarbeitete, (.) wird heute von den freundlich daherkommenden realen grauen Herren ernsthaft zur politischen Forderung erklärt“, konnte man etwa im Antifa-Blog des 2500 Einwohner-Örtchens Horgau lesen. Und weiter: „Am besten man verzinst die eingesparte Zeit noch, und die Identität zwischen literarischem Alptraum und profaner Realität ist perfekt.“

    „Das Scheffeln von Zeit durch freiwillige oder angeordnete Überstunden, so befürchten die linken Kassenfeinde, könnte eines Tages zum Selbstzweck werden – so wie das Scheffeln von Geld. Die Erfüllung persönlicher Bedürfnisse würde dann auf eine ferne, vielleicht zu ferne Zukunft verschoben, sodass stets der Herzinfarkt oder der Tod durch Überarbeitung – bei den Japanern als Karoshi bekannt – dazwischenkommen kann. Solche polemischen Sätze unterschlagen, dass das Kontenmodell heute schon in vielen Betrieben praktiziert wird.“ (S.32)

    Brilliante Argumentation: Was spricht am meisten gegen eine Kritik von Zeitkonten? Dass es sie gibt!!!

    Bei sowas ist man immer baff. Wenn die REALITÄT ein Gütesiegel ist, dann bedeutet das nämlich, entweder gar nichts mehr kritisieren zu dürfen oder nur noch Dinge, die es NICHT gibt. Was nur insofern sinnig ist, weil einem da der Stoff der Kritik nie ausgeht, denn Dinge, die nicht real sind, gibt es eine ganze Menge. ;-)

  4. 4 Bärbel 23. Dezember 2008 um 18:28 Uhr

    Hallo red surfer,

    du nimmst offensichtlich Bezug auf diesen Text: http://antifahorgau.blogsport.de/2008/05/01/die-grauen-herren-kommen/

    Ja, du hast Recht, zumal wir in dem Text ja selbst als Kritik an den Arbeitszeitkonten schreiben, dass es die Arbeitszeitkonten bereits gibt, dass aber viele Arbeitnehmer aus Angst vor Repressionen durch den Arbeitgeber darauf nicht zugreifen.

    Also hakt die Kritik an der Kritik doppelt.

    Aber eine erfreuliche Resonanz auf unsere Arbeit, nicht schlecht. Also in einer solchen Zeitschrift erwähnt zu werden, freut einen schon, auch wenn es nur als Pappkamerad für die Einleitung des Artikels ist. Danke auch für den Hinweis.

    Hier ist übrigens der Link zum Artikel: http://www.boeckler.de/107_93567.html

  5. 5 gelderlander 17. Dezember 2009 um 17:14 Uhr

    Ich sags mal so: Ich bin „stolz“ schwul zu sein. Und ich finde es ansich super, das ich mich keinem gegenüber rechtfertigen muss.

    leider gibt es aber gerade in unserem, achso aufgeklärtem, land immer noch oder auch schon wieder kräfte(meistens extrem rechts, rechts, antideutsch) die uns am liebsten alle ausrotten würden(was nicht möglich ist, denn mit der nächsten generation sind wir wieder da).

  1. 1 Gaymuensterland's Blog Trackback am 17. Dezember 2009 um 17:10 Uhr
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