Ideologiekritiker wissen’s besser

Egal ob man das immer noch sehr empfehlenswerte Aufbaustrategiespiel „Herrscher des Olymp – Zeus“ kennt oder nicht: den Machern ist darin bei der Wirtschaftssimulation ein ziemlich ulkiger Fehler unterlaufen, der mir trotz mehrjähriger Kenntnis des Spiels erst heute aufgefallen ist und einer Erwähnung allemal wert ist.
Zur kurzen Erklärung: in dem Spiel geht es darum, eine antike Polis mit Militär, Häusern, Tempeln, etc. aufzubauen. Um Arbeiter für seine Wirtschaft zu kriegen, muss man erst Wohnsiedlungen errichten, in denen die Leute leben und ihnen zusätzlich einen Lohn zahlen. Die Anzahl der Arbeitskräfte im Verhältnis zur ganzen Bevölkerungszahl lässt sich nun variieren. Man kann also wenn man z.B. 2500 Einwohner hat entweder 1000 oder 1200 von ihnen zur Arbeit bewegen. Das Instrument dazu ist die Lohnhöhe. Erhöht man den Lohn, wächst die Anzahl der relativ zur Gesamtbevölkerung beschäftigten. Soweit so gut, das sind die Rahmenbedingungen die das Spiel vorgibt und die man nicht ändern kann. Man kann sich jedoch trotzdem fragen warum das überhaupt so ist.

Die Überlegung der Macher muss in etwa folgende gewesen sein1: wenn die Löhne steigen wird der Anreiz, zu arbeiten größer und mehr Leute tun’s. Dieser Gedankengang wirkt auf den ersten Blick logisch – es ist ja rational, erst anfangen zu arbeiten, wenn die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung einigermaßen tauglich sind. Vorausgesetzt, die Arbeitslosigkeit wäre ein reines Motivationsproblem, könnte man sie dann ganz einfach beheben, indem man die Löhne ansteigen lässt.
Paradoxerweise sieht es in der Realität allerdings genau andersherum aus: gäbe es eine direkte Planwirtschaft wie in „Herrscher des Olymp – Zeus“ müsste der Staat die Löhne senken und nicht erhöhen, um mehr Leute zum arbeiten zu bewegen. Denn wenn die Löhne hoch sind, muss in einem 5-Personenhaushalt z.B. nur einer arbeiten gehen. Sinken sie aber, müssen, um den Lebensstandard zu halten, irgendwann mehr Personen arbeiten. Die Wirtschaft funktioniert eben in erster Linie mit Zwängen und nicht mehr Anreizen, auch wenn es im Computerspiel anders erscheint.

Aber in der kleinen, feinen Welt von „Herrscher des Olymp – Zeus“ gibt es noch ganz andere Ungereimtheiten. So sind z.B. ab einem gewissen Entwicklunsgrad der Stadt die Steuereinnahmen stets höher als die Ausgaben für die Löhne. Die Bürger zahlen also mehr Steuern, als sie Geld bekommen und sind trotzdem mega zufrieden mit der Stadt. Das ist doch mal „Frag nicht, was der Staat für dich tun kann, sondern was du für den Staat tun kannst“ in Reinstform! Wieso können die Leute in der Realität nicht auch so selbstlos sein!

  1. Von die Spielbalance betreffenden Überlegungen wird an dieser Stelle abgesehen, sondern so getan, als wäre es das primäre Ziel eines Aufbaustrategiespiels, eine glaubwürdige Wirtschaft zu simulieren. [zurück]

7 Antworten auf “Ideologiekritiker wissen’s besser”


  1. 1 ♥Tekknoatze 27. Juli 2008 um 16:26 Uhr

    Aber in der kleinen, feinen Welt von “Herrscher des Olymp – Zeus” gibt es noch ganz andere Ungereimtheiten. So sind z.B. ab einem gewissen Entwicklunsgrad der Stadt die Steuereinnahmen stets höher als die Ausgaben für die Löhne. Die Bürger zahlen also mehr Steuern, als sie Geld bekommen und sind trotzdem mega zufrieden mit der Stadt.

    Falsch (zumindest klingt das jetzt für mich so, der ich das Spiel nicht kenne). Es sind ja letztendlich nicht nur die BürgerInnen, die für die Steuereinnahmen eines Staates sorgen sondern auch Betriebe…
    Und demnach ist es vollkommen logisch, dass die Steuereinnahmen aus Industrie und Privatem mehr ergeben KÖNNEN als das was der Staat (warum zahlt der Staat übrhaupt Löhne [außer an Staatsbeschäftigte] in dem Spiel?) an Lohn wieder ausschütten muss.

    Was bleibt ist, dass Zeus erstens ca. 6 Jahre mittlerweile alt ist und zweitens, wie du/ihr schon sagte(s)t ein Aufbaustrategiespiel ist und keine hochkomplexe Wirtschaftssituation.

    ♥Tekknoatze

  2. 2 Bärbel 27. Juli 2008 um 17:24 Uhr

    Okay, wenn du das Spiel kennen würdest, würdest du wissen, dass da alle Betriebe im Staatsbesitz sind und nur die Bürger Steuern zahlen. Es wird also kein Kapitalismus, sondern eine Planwirtschaft, wie es sie in der Realität mit Sicherheit nie geben wird, simuliert. Alle Bürger sind staatsangestellte und zahlen zugleich doch Steuern an den Staat.

    Mit deinem Argument, dass es ja „nur“ ein Aufbaustrategiespiel ist, hast du zweifellos Recht. Es sollte in dem Artikel auch garnicht darum gehen, dass Spiel zu kritisieren – das ist nämlich wirklich super und hat mir schon viele erträgliche Stunden verschafft.

    Dass das Alter des Spiels aber eine entschuldigung für diese fehler sein könnte, möchte ich mal nicht meinen. Viele ältere Spiele sind nämlich, vom Spielerischen her, wirklich besser als die neueren. Verbessert hat sich ja oft nur die Grafik. (das ist natürlich nicht generell so)

  3. 3 Dr. Kollossos 27. Juli 2008 um 17:33 Uhr

    anstatt sich überlegungen über die anreizstruktur eines virtuellen arbeiters zu machen und inwiefern diese kompatibel mit der realität sind, sollte man eher die anreizstruktur des autors hinterfragen, der tatsächlich seine freizeit damit verbringt unnötige gedanken über ein unnötiges computerspiel zu papier zu bringen. da fehlt es wohl an entsprechender disziplinierung seitens des staates!

  4. 4 tian 30. Juli 2008 um 22:35 Uhr

    ich kenn nur pharao, selbes spiel, selber entwickler, nur anderes setting. da kams mir so vor als ob es darauf ankommt viele arbeiter (die wenig steuern zahlen) und einige reiche (die nix arbeiten aber hohe steuern zahlen) zu bekommen. wo da der sinn is hab ich auch nie verstanden. aber egal, die kohle geben die reichen und die armen bauen die pyramide. comupterspiele und realität vergleichen is immer mager.
    simcity das selbe, reiche zahlen mehr steuern, verdienen mehr, aber arbeiten weniger oder gar nich.
    fürn wirklich realitätsnahes spiel müsste mesch denk ich vwl oder sonstiges studiern ums wirklich zu checken.

  5. 5 Bärbel 31. Juli 2008 um 9:17 Uhr

    Naja, dass mit den Reichen ist ja von der Realität nicht allzu weit entfernt, dass kann man schon durchgehen lassen. In diesem Punkt entspricht das Spiel ja durchaus den Gegebenheiten im antiken Griechenland: die Reichen waren halt für den „Überbau“ der Gesellschaft zuständig, körperliche Arbeit haben die aber auch nicht geleistet. Und die wirklich Reichen arbeiten ja in der heutigen Gesellschaft auch nicht wirklich – die Leben halt von ihren Dividenden, Zinsen, Mieten etc.pp.

  6. 6 anonym 10. August 2008 um 19:34 Uhr

    also bei der cäsar reihe im speziellen und auch generell bei spielen ist es ja nicht so dass da die komplette welt simmuliert wird. man hat ja nur einen kleinen ausschnitt, ne stadt z.b. die sich so verhält als gäbe es noch ein drumherum. so könnte man sich vorstellen dass es bei cäsar und den nachfolgern „versteckte“ betriebe gibt, bzw dass die reichen die in deiner stadt leben woanders güter besitzen die große gewinne abwerfen, so tun sie in deiner stadt nichts zahlen aber viele steuern weil sie ja großes einkommen haben, mit welchem du natürlich nichts zu tun hast. bei simcity tauchen die reichen ja auch quasi aus dem nichts aus, damit wird zuwanderung reicher aus anderen, vom spiel nicht dargestellten gebieten simmuliert.

    allgemein kann man sagen dass die meiten simmulationen daher keine abgeschlossene systeme darstellen wollen, sodass maan meinen könnte da wird aus dem nichts geld erschaffen. liegt halt in der natur einer simmulation, man soll nur die direkten folgen seines handelns sehen und mehr ist es dann auch meist nicht

  7. 7 anonym 10. August 2008 um 19:37 Uhr

    also bei der cäsar reihe im speziellen und auch generell bei spielen ist es ja nicht so dass da die komplette welt simmuliert wird. man hat ja nur einen kleinen ausschnitt, ne stadt z.b. die sich so verhält als gäbe es noch ein drumherum. so könnte man sich vorstellen dass es bei cäsar und den nachfolgern „versteckte“ betriebe gibt, bzw dass die reichen die in deiner stadt leben woanders güter besitzen die große gewinne abwerfen, so tun sie in deiner stadt nichts zahlen aber viele steuern weil sie ja großes einkommen haben, mit welchem du natürlich nichts zu tun hast. bei simcity tauchen die reichen ja auch quasi aus dem nichts aus, damit wird zuwanderung reicher aus anderen, vom spiel nicht dargestellten gebieten simmuliert.

    allgemein kann man sagen dass die meiten simmulationen daher keine abgeschlossene systeme darstellen wollen, sodass maan meinen könnte da wird aus dem nichts geld erschaffen. liegt halt in der natur einer simmulation, man soll nur die direkten folgen seines handelns sehen und mehr ist es dann auch meist nicht

    @kollosos: mir drängt sich da mehr die frage auf warum jemand der so vernünftig wie du es bist seine zeit nicht mit solchem unsinn zuverbringen, diesen unsinn dennoch zu ende liest und dann sich noch die mühe macht auch noch ne antworte zu posten ;-)

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