Die Post ist da

Im Rahmen der allgemeinen Rekrutierungskampagne der Bundeswehr finden junge Männer derartiges „Info“material in ihrem Briefkasten:

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Was gibt es daran nun zu kritisieren?

Nun, eigentlich nichts, denn Werbung zeichnet sich ja generell nicht durch große Ehrlichkeit aus, selbst wenn es sich um solche von einer staatlichen Institution handelt. Immerhin wird sich ja wohl jeder vorstellen können, dass der Alltag in der Bundeswehr etwas weniger idyllisch, als in dem Schreiben beschrieben aussehen wird.
Zudem braucht jeder Staat nunmal eine Armee. Auch wenn man sich darüber streiten kann, wie groß diese sein mag und welchen Aufgaben sie dienen muss, ist es zwingend erforderlich, dass sie zumindest ausreicht, das Staatsgebiet gegen mögliche Angriffe abzusichern – ihre Größe muss sich also an der Größe der Armeen der Nachbarstaaten ausrichten.
Auch wenn das ein wenig überholt klingen mag, da Deutschland ja keinen feindlichen Nachbarstaat hat, ist dies dennoch das Kriterium, dem jede Armee unterliegt. Ansonsten wäre es ja auch ziemlich seltsam, dass ausgerechnet die neutrale Schweiz soviel Wert auf ihr Militär legt – der Witz ist, dass sie sich ja gerade wegen ihrer Neutralität besonders schützen muss. Hätte sie keine, könnten ja theoretisch einfach Deutschland, Frankreich und Italien daherkommen und die ungeschützte Schweiz unter sich aufteilen. Oder sie zumindest zwingen, doch der EU und der NATO beizutreten. In der Tat kam es 1914 und 1939 jeweils zu einer Generalmobilmachung der Schweizer Armee, um zu demonstrieren: ihr könnt gerne Krieg führen, aber macht euch auf was gefasst, wenn ihr gegen uns ziehen wollt.
Im deutschen Grundgesetz finden sich dementsprechend den sehr umfangreichen Artikel 115, die ganz genau regeln, wie das Staatswesen im Verteidigungsfall zu koordinieren ist. Desweiteren gibt es, die Bundeswehr betreffend, u.a. den Artikel 87. In Artikel 87 a, Abschnitt 4 wird auf eine weitere Funktion der Bundeswehr hingewiesen: „Zur Abwehr einer drohenden Gefahr für den Bestand der freiheitlich demokratischen Grundordnung des Bundes oder eines Landes kann die Bundesregierung […] Streitkräfte zur Unterstützung der Polizei und des Bundesgrenzschutzes beim Schutze von zivilen Objekten und bei der Bekämpfung organisierter und militärisch bewaffneter Aufständischer einsetzen.“ Der Staat muss also prinzipiell nicht nur in der Lage sein, sich gegen äußere Bedrohungen, sondern auch, sich gegen sein eigenes Staatsvolk zur Wehr setzen zu können, wenn es ihn abschaffen will. Im Notfall wird da nicht lang gefackelt und auch hierzulande die Panzer aus den Kasernen gelassen. Man sieht: der Staat ist nicht dumm.1

Man muss sich anders herum einmal vorstellen, was mit Deutschland wäre, gäbe es keine Bundeswehr. Der deutsche Staat müsste dann, vorausgesetzt, die Polizei wäre nicht militärisch organisiert, ständig befürchten, irgendein Mob bewaffnet sich und stürmt staatliche Einrichtungen. Und ihre internationalen Interessen könnte die Bundesrepublik auch ziemlich vergessen. Wer nimmt in der Weltpolitik schon ein Land Ernst, das kein eigene Armee hat? Zudem ist die Bundeswehr ein wichtiger Wirtschaftsmotor: sie schafft und erhält direkt und indirekt viele tausende Arbeitsplätze.

Wieso sollte diese supertolle Institution nun nicht Werbung dafür machen dürfen, bei ihr eine Karriere zu beginnen?

  1. Eine Randbemerkung: die Schweizer Armee wurde in ihrer Geschichte bisher dreimal „richtig“ eingesetzt: 1975 und 1918 gegen streikende Arbeiter und 1932 gegen streikende Antifaschisten mit jeweils mehreren Toten. Eine komplette Liste der Aktivitäten der Schweizer Armee findet sich hier.[zurück]




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