Archiv für Mai 2008

Rassismus, Biologie und Rassenlehre

Auf der Seite shoa.de befindet sich neben vielen anderen Artikeln dieser Artikel über eine grundlegende Kritik am Rassismus, die darauf abzielt, ihn nicht nur moralisch, sondern auch wissenschaftlich zu entkräften. Nicht nur die unterschiedliche Bewertung von Rassen, sondern bereits deren Annahme an sich ist nämlich wissenschaftlich widerlegt.

Über das Verrücktsein

„Und woher weißt du, dass du verrückt bist?“ fragte sie weiter.
„Das will ich dir an einem Hund erläutern“, sagte die Katze. „Die sind nicht verrückt, das gibst du doch zu?“
„Ja, vermutlich nicht.“
„Gut“, fuhr die Katze fort. „Wie du weißt, knurrt ein Hund, wenn er wütend wird, und wedelt mit dem Schwanz, wenn er sich freut. Ich dagegen knurre, wenn ich mich freue, und wedele mit dem Schwanz, wenn ich wütend werde. Folglich bin ich verrückt.“

(Aus: Lewis Carroll, Alice im Wunderland)

Der ewige Gaukler

Durch die häufige Beschäftigung mit Antisemitismus und Rassismus wird in der Linken oft eine ebenfalls äußerst wirkungsmächtige Spielart projektiver rassistischer Ideologien – gerade auch international betrachtet – der so genannte Antiziganismus, der rassistische Hass gegen als „Zigeneuer“ klassifizierte Personen, etwas vernachlässigt. Dabei zeigen gerade die jüngsten Vorfälle in Italien, wo antiziganistischer Rassismus selbst von den linken Parteien geschürt wird, Russland, Ungarn, Tschechien, Frankreich, Bulgarien und der Türkei, dass das Feindbild „Zigeneuer“ eine hohe Anziehungskraft besitzt. Und auch in Deutschland kennt man die Geschichten von den „asozialen Zigeunern“, die Igel und kleine Kinder essen (oder so ähnlich) nicht nur in Kreisen, in denen das Schimpfwort „Zigeunerjude“ gebräuchlich ist.4 Einen Überblick über die aktuelle Situation der Sinti und Roma (so ihre Eigenbezeichnung – „Zigeuner“ selbst ist ein pejorativer Ausdruck wie „Neger“) in Europa bietet dieser taz-Artikel.
Das interessante ist dabei, dass gerade hier der Konstruktivismus rassistischer Kategorien besonders deutlich zu Tage tritt – denn ein Volk names „Zigeneuer“ gibt es erst, seitdem man diverses „fahrendes Volk“ und andere „asoziale“ Randgruppen darunter subsumiert hat. Nichtmal die NS-Rassenlehre schaffte es, eine Rasse der „Zigeneuner“ „wissenschaftlich“ belegen zu können. Dennoch kamen tausende von ihnen in den Konzentrationslagern ums Leben3. (mehr…)

Demo gegen neues Versammlungsrecht

Am 31.5. wird in München eine Großdemo gegen die geplante Erneuerung des bayrischen Versammlungsrechts stattfinden (wir berichteten). Mehr Infos gibt es auf dem Blog „Black is beautiful“, der noch vieles weitere rund um das Thema beinhaltet.

Einführung in Kapitalismuskritik

Das „Bündnis gegen Kapital und Nation“ hat ein sehr lesenswertes „Handbuch Kapitalismuskritik“ veröffentlicht. Darin enthalten ist eine umfassende und leicht verständliche Darlegung einer radikalen Kritik an bürgerlichem Staat und kapitalistischer Wirtschaft. Zu finden ist die Broschüre im pdf-Format auf der Website des BGNK. Insbesondere die graphische/künstlerische Gestaltung ist wirklich einen Blick wert.

„Nazi-Angie“ vs. „Populisten-Hugo“ Part III

Anschließend an die bisherigen beiden Artikel unserer Serie „Nazi-Angie“ vs. „Populisten-Hugo“ soll im folgenden (und letzen) das Interview, das die umstrittene deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (54) im Vorfeld des Streits gab, kritisch untersucht werden. Anhand der Äußerungen der wirtschaftsliberal ausgerichteten Rechtspopulistin, die vom ebenfalls umstrittenen venezualinischem Präsidenten Hugo Chavez (541) in die politische Nähe des deutschen Diktator-Nazis Adolf Hitler (1889-1945) gerückt wurde, soll eine allgemein Kritik an der wirtschaftsliberalen Fortschrittsideologie geübt werden.

Die Überschrift „Merkel will Amerika unterstützen“ ist, wie man später sehen wird, schon einmal höchst fragwürdig. Journalismus scheint für gewisse Leute anscheinend zu heißen, die Propaganda der Politiker nicht nur unhinterfragt wiederzugeben, sondern sogar noch durch zuvorkommendes Engagement zu toppen.

„Brasilien und Mexiko haben bereits neue Ansätze in der Sozialpolitik eingeführt.“

Seltsamerweise gibt es jedoch auch gegenteilige Äußerungen. So etwa in dieser Sammlung von Berichten über Brasilien aus den letzten Jahren. Dort heißt es z.B.:

Angesichts der von Lula und seiner Arbeiterpartei verfolgten Politik wird deutlich, daß sich in einem Großteil der deutschsprachigen Medien, aber auch in einem beträchtlichen Teil der gewöhnlich als links, progressiv und drittweltbewegt bezeichneten Szene Europas bereits lange vor Lulas Amtsantritt offenbar die Kriterien dafür verschoben haben, was und wer in der Welt just als „links“ bzw. „progressiv“ gelten können. So wird beispielsweise Lula trotz seiner nie widerrufenen Bewunderung für Hitler [sic!] kurioserweise als Linker eingestuft, obwohl er selbst klarstellte:“Mein ganzes Leben lang mochte ich überhaupt nicht, als Linker, Linksgerichteter klassifiziert zu werden.“ Zahlreiche brasilianische Politikexperten, aber auch Weggefährten haben immer wieder betont, daß Lula nie der Linken angehörte. Spätestens seit den neunziger Jahren ist bestens bekannt, daß Lula und die Spitze seiner Arbeiterpartei keineswegs einen links-progressiven Kurs verfolgten. Trotz der seit dem Amtsantritt verfolgten Politik in Bezug auf Bankiers und andere Unternehmer, auf Slumbewohner, auf Rechtsparteien und Diktaturaktivisten, auf Menschenrechte oder Umwelt-und Naturschutz betriebenen Politik werden Lula, seine Regierung und die Arbeiterpartei weiterhin als links und fortschrittlich klassifiziert. Brasiliens katholische Kirche legte interessanterweise lange vor Lulas Amtsantritt deutlich andere Maßstäbe an.

Quelle

Ein paar Absätze weiter verrät Merkel aber wesentlich profanere Gründe für ihre Sympathien als politische Streitfragen: „Mit Brasilien und Mexiko besuche ich die wichtigsten Handelspartner Deutschlands in Lateinamerika.“ (mehr…)

„Nazi-Angie“ vs. „Populisten-Hugo“ Part II

Dies ist der zweite Teil der Artikelserie über den Konflikt zwischen Venezuela und Deutschland im Vorfeld des Lateinamerika-EU-Gipfels in Lima. Auf möglichst abstrakter Ebene wird die machtpolitische Konstellation untersucht, die hinter diesem Konflikt steht.

Doch „der Linkspopulist“ Chavez ist bekanntlich nicht erst seit seinen „umstrittenen“ Äußerungen „umstritten“. Die deutsche Presse, zumindest die politisch eher rechts bis liberal stehende, hat ihn schon seit langem im Visier der „Kritik“. Dahinter steckt freilich Chavez Außen- und Wirtschaftspolitik, die darauf ausgerichtet ist, eine Allianz linker südamerikanischer Staaten aufzubauen, die untereinander kooperieren, um sich wirtschaftlich wie politisch möglichst unabhängig vom „Westen“ (den USA und der EU) zu machen. Die wiederum haben ein Interesse daran, möglichst viele Freihandelsabkommen abzuschließen, damit sie billig an Rohstoffe kommen und Fertigprodukte leichter absetzen können. Entgegen der Freihandelstheorie profitiert bei solchen Freihandelsabkommen nämlich primär derjenige, der die Fertigprodukte verkauft: die bringen nämlich die großen Profite ein, während mit dem Verkauf von Rohstoffen eher bescheidene erzielt werden. Man stelle sich z.B. zwei Staaten vor: einer verkauft nur Weizen, der andere hingegen alle möglichen Fertigprodukte. Um überhaupt Weizen effektiv abbauen zu können, müssen die Bauern des einen Staates schon Traktoren, Düngemittel etc. aus dem Industriestaat kaufen. Und wieviel Gewinne sie mit ihrem Weizen machen können, wird ebenso vollständig von der zahlungskräftigen Nachfrage des Industriestaats abhängen. Um sich von der Abhängigkeit vom Industriestaat zu befreien, müsste der Agrarstaat selbst erst einmal Traktoren, Düngemittel etc. herstellen können. Dafür braucht er aber erstmal Kapital. Dies könnte z.B. vom Staat kommen. Und damit die eigenen Unternehmen gegen die wesentlich weiter entwickelte Konkurrenz aus dem Industriestaat überhaupt standhalten kann, ist es für den Agrarstaat klug, Schutzzölle zu erheben, damit die ausländischen Waren teurer werden und sich die eigenen auf dem Binnenmarkt besser verkaufen.Genau so versuchen Staaten wie Venezuela oder Bolivien vorzugehen. (mehr…)

„Nazi-Angie“ vs. „Populisten-Hugo“ Part I

Eine dreiteilige Artikelserie auf diesem Blog wird in den nächsten Tagen die Auseinandersetzung zwischen Hugo Chavez und Angela Merkel respektive nationaler Entwicklungspolitik und Freihandel zum Inhalt haben. Der folgende erste Teil der Serie gibt einen ersten Überblick.

„Übrigens, wenn wir von Deutschland sprechen: die deutsche Kanzlerin, die der deutschen Rechten angehört, der selben Rechten, die Hitler unterstützt hat, den Faschismus, das ist die Kanzlerin von Deutschland heute.“1
Diese Äußerung des venezuelanischen Präsidenten Hugo Chavez hat in den letzten Tagen in den deutschen Medien für ziemliche Irritationen gesorgt. Während es sich deutsche Politiker nicht nehmen lassen, bei Gelegenheit George W. Bush, dem jeweiligen politischen Gegner oder missliebige Präsidenten fremder Staaten (Milosevic, Ahmadinedschad und Co.) „eine politische Nähe zu Nazi-Diktator Adolf Hitler zu bescheinigen“2, ist es beinahe das schlimmste, was man als Nicht-Deutscher tun kann, Deutschland selbst auf offensive Weise mit seiner Vergangenheit zu konfrontieren. Solche antideutschen „Populisten“ kommen zwar noch lange nicht an während der Schwangerschaft rauchende Prominente heran, der Ton der maßgeblichen Zeitungen zeigt aber schon an, dass man sich mit solchem Gerede keine Freunde in Deutschland macht. (mehr…)

Die Weltverschwörung tagt in der Kongresshalle

Natürlich hat sie sich geschickt unter dem Label „Rational“ getarnt. Doch wir wissen, dass ihre Rationalität Lüge ist!

Der ultimative Beweis für das konspirative Treiben der führenden Köpfe aus Politik, Wirtschaft, Gewerkschaft, Medien und Militär – zugezogene Vorhänge:

Die „rationale“ Weltverschwörung bekämpfen – Kampf den lichtscheuen Kreaturen!

Augsburg ist Schilda

Eine Treppe, die nicht nur strunzhässlich führt, sondern auch ins Nichts führt? Sowas gibts tatsächlich nur in Schilda – oder in Augsburg.
Ansichten vom Fünffingerlesturm am Stadtgraben.




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Die grauen Herren kommen

Als kleine Ergänzung zum vorherigen Beitrag, der sich mit der allgemeinen Kritik an den Gewerkschaften befasst, aus aktuellem Anlass eine kleine Exemplifikation dieser Kritik anhand eines Interviews, dass der IG-Metall-Chef Berthold Huber mit der taz führte und in der letzten Print-Ausgabe enthalten war. Das Interview soll dabei zerpflückt und so gewissermaßen gegen den Strich gelesen werden.

IG-Metall-Chef

Bereits die Bezeichnung Chef legt sprachlich das nahe, was die Theoretiker der Frankfurter Schule kritisch analysiert haben: die Annäherung von Gewerkschafts- und Unternehmensführung bis zur Ununterscheidbarkeit. Durch die geläufige, scheinbar selbstverständliche Verwendung desselben Substantivs zur Bezeichnung beider Seiten wird die Realität zwar korrekt ausgedrückt, zugleich wird die Kritik nicht mehr auf den Begriff gebracht und ist diesem bei Verwendung des geläufigen Jargons kaum noch zugänglich. Dass beide Führer identisch sind, scheint so einzig mögliche und vernünftige Realität – genauso wie die Identität zwischen Schweinen und Menschen am Ende von George Orwells Erzählung „Animal farm“.

Meine Vorstellung von einem guten Leben hat mit Arbeiten und Gestalten zu tun. Ich will mich dann frei entscheiden können, weiter zu lernen, mich in Verbänden oder Sozialinstitutionen zu engagieren, also: zu arbeiten.

Die Politik muss zum Beispiel die Vereinbarkeit von Familie und Beruf neu organisieren. Und es den Menschen ermöglichen, beides so zu kombinieren, dass es produktiv für die Ökonomie und die Gesellschaft ist. (mehr…)

Feiertage

Heute ist der Tag der Arbeit, gestern war Freinacht. Weder das eine noch das andere interessieren uns wirklich. Gestern kam eine sehr gute Reportage über die 68er auf Arte, die interessanter als die Freinacht war. Son bisschen was fürs sentimentale Herz verhinderter Revolutionäre, aber natürlich auch für den Kopf. Zur Freinacht und zum sonstigen Maibrauchtum haben wir uns schon vor einem Jahr eigentlich alles gesagt. Einen aktuellen Text über das Maibrauchtum und seine Kommerzialisierung gibt es auf blogsburg.de und zum 1. Mai als Arbeiterkampftag äußert sich eher lobend der ak aua.

Okay, also dann noch ein paar Zeilen zum 1. Mai als „Tag der Arbeit“. Schaut man sich die historische Entwicklung an, ist es wirklich sehr traurig, was aus diesem Tag geworden ist: ein weitgehend institutionalisierter Aufmarsch irgendwelcher Gewerkschafter, die sich eher erschießen als den Kapitalismus abschaffen würden. Zum Vergleich: in der Weimarer Republik hieß es noch in der Unternehmerzeitschrift „Arbeitgeber“ : „Auch in der Republik gilt der 1. Mai der Propaganda des Umsturzes, der Beseitigung des Privateigentums und der Errichtung der proletarischen Diktatur. Gleichgültigkeit gegenüber der Maifeier bedeutet Kapitulation vor dem Marxismus.“1 Klar, am 1. Mai erinnerte man sich ja auch an den 1. Mai 1886, an dem es in Chicago zu blutigen Arbeiteraufständen, dem so genannten Haymarket Riot kam.

So, und wem ist nun gelungen, die alte Forderung nach der Erhebung des 1. Mai zum gesetzlichen Feiertag in Deutschland zu erfüllen? Dies war wie so oft die deutsche Arbeiterpartei unter Adolf Hitler. Erfinder des „Feiertags der nationalen Arbeit“ wie des olympischen Fackellaufs war dabei Joseph Goebbels. Ohne Zweifel ein Mann mit Visionen.5 Zur Rolle der Gewerkschaften in dieser Zeit heißt es selbst im bereits zitierten Artikel auf der DGB-Website:

Die Gewerkschaften, fast 44 Prozent ihrer Mitglieder waren arbeitslos, sahen sich in der Defensive. Ihre Vorstände wollten sich selbst dem Kabinett Hitler noch als unpolitische Fachvereine zur Vertretung ausschließlich beruflicher Interessen andienen. Der misstraute ihnen jedoch. Er brauchte sie auch nicht, wohl aber ihre Mitgliederbasis.

Das ist dann schon sehr tragisch, wenn der Staat den Gewerkschaften, die sich ihm doch eigentlich andienen wollen, misstraut!
Dass soll natürlich nicht heißen, dass sich unter den Gewerkschaftlern nicht viele überzeugte Antifaschisten befunden hätten. Aber anscheinend war der Wille zum Pragmatismus größer als der Wille zur Aufrechterhaltung der Republik. Bereits die Räterevolution 1918/19 fanden die Gewerkschaften ganz schlimm, da diese ja ihre eigene Existenzgrundlage, die Existenz von Unternehmern und Arbeitern, die sich über den Lohn u.a. streiten, logischerweise gefährdet hätte. Und auch während des 1. Weltkriegs waren die Gewerkschaften ganz pragmatisch-nationalistisch Teil der Burgfriedenallianz. Und wenn man sich z.B. das Verhalten der Gewerkschaften während der Mai-Revolte ’68 in Frankreich anschaut, wird man auch wenig Revolutionäres finden – im Gegenteil. (mehr…)




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