Archiv für Februar 2008

Alternativvorschläge für den 2.3.

Wie angekündigt, wollen wir es anlässlich des bevorstehenden Wahltermins nicht bei einer rein destruktiven Kritik, wie uns immer vorgeworfen wird, belassen, sondern konstruktive Vorschläge machen, wie man diesen Tag auch ohne wählen zu gehen verbringen kann. Diese Vorschläge haben natürlich keinerlei Verbindlichkeit, sondern sollen nur Anregungen darstellen – zwingen wollen wir schließlich niemanden zu was.

Der Favorit ist natürlich, zur Wahl zu gehen, ohne zu wählen, sprich, durch einen kreativen Einfall einen ungültigen Stimmzettel abzugeben. Denken Sie dabei auch an die armen WahlhelferInnen, die den ganzen lieben Nachmittag im Wahllokal hocken und Kreuzchen auswerten müssen. Da kann eine witzige Karikatur schon eine deutliche Erleichterung sein. Aber auch ein schönes Gedicht oder ein einfallsreicher philosophischer Aphorismus kann Wunder wirken.
Wichtig ist hierfür natürlich auch eine angemessene Kleidung. Zu einem solch wichtigen Anlass wie den Wahlen sollte man nicht in Jogginghose oder Jeans auftauchen. Anzug und Krawatte für den Herren, ein hübsches Sonntagskleid für die Dame müssen schon sein. Allein die Auswahl einer möglichst angemessenen Garderobe kann den Vormittag schon zu einem intensiven Erlebnis machen. Falls Sie sich keinen edlen Zwirn leisten können, können Sie auch das Gegenteil machen, und einfach möglichst verlumpt erscheinen. So werden auch die sozialen Gegensätze des Ortes in neuer Art erfahrbar gemacht. (mehr…)

Der Flyer

Zum ersten Mal hat es die Antifa Horgau gewagt, sich an die Horgauer Öffentlichkeit mit einem Flyer zu wenden. Er bildete den Gipfelpunkt unserer Kampagne gegen die Kommunalwahlen und ist in der Nacht vom 15. auf den 16. 2. an möglichst viele Haushalte in Horgau verteilt worden. Auf dem Cover war unser geliebter Bürgermeister in guter alter Stalin-Pose zu sehen. Der Text war folgender:

“Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf.“

Diese Worte Erich Honeckers waren kein Irrtum, sondern sind Realität geworden – in unserer Gemeinde. Bereits in den 80ern wurde zur Zeit des so genannten „Freiheitskampfes“ den Vertretern des Bürgervereins Maoismus vorgeworfen. Mit ihrer lokalpatriotischen Kulturrevolution haben sie Erfolg gehabt – 6/7 des Horgauer Gemeinderats werden von einer großen bürgerlichen Koalition besetzt, zu der sich eine Scheinopposition von Sozialromantikern und Froschfreunden gesellt. Die anstehenden Kommunalwahlen haben den Charakter der Wahlen zur Volkskammer in der DDR: einem vorgegebenen Verteilungsschlüssel kann man zustimmen oder ablehnen, an der Zusammensetzung dieses „Rates“ wird sich wenig ändern.
Schon allein die Bezeichnung „Rat“ weckt Erinnerungen. „Sowjet“ heißt auf Deutsch „Rat“, die Kommunisten wollten in Deutschland nach dem 1. Weltkrieg eine „Räterepublik“ errichten. Horgau ist unter der Herrschaft des Bürgervereins und seiner Schwesterorganisationen zu einer Miniatursowjetunion geworden. Die Verbände von den Wander- und Schnupferfreunden über die Freiwillige Feuerwehr bis zur Kirche und dem FC Horgau sind gleichgeschaltet und mit Funktionären besetzt, das Gemeindeblatt wie der Rothtaler sind Propagandaorgane eines korrupten, auf Vetternwirtschaft basierenden Regimes, das sich mit Monumentalbauten wie der Rothtalhalle, den Feuerwehrhäusern und dem neuen Vereinsheim zu verewigen sucht. Sie rufen uns auf, uns für die Gemeinde doch gefälligst zu engagieren und nicht nur rumzumäkeln, doch dieses Engagement gleicht einem Eintritt in die FDJ, ohne den man es in der DDR wie in Horgau zu nichts bringen konnte und kann. Eine materielle Mauer braucht es nicht – doch umso deutlicher ist die immaterielle Mauer spürbar, die Horgau vom Rest der Welt abschneidet. Jahrhunderte der Aufklärung sind an Horgau spurlos vorbeigegangen, dies wird schon allein durch den Einfluss der Kirchen auf das Dorfleben, die uns mit ihrem penetranten Gebimmel nerven, ersichtlich. Die miserable Busverbindung, sowohl zu Augsburg als auch zu den Nachbargemeinden, tut ihr Übriges. Die „selbstverschuldete Unmündigkeit“ (Kant) lebt in Horgau wie in Bayern insgesamt fort.

Die anstehenden Wahlen sind eine gute Gelegenheit, dem Hafner-Regime einen Denkzettel zu verpassen und somit den Weg zu einer freiheitlichen Gesellschaft zu ebnen. Wahlen, die keine echte Opposition kennen, sind nicht demokratisch, sie sind oligarchisch und verdienen es nicht, Ernst genommen zu werden. Wer Hafner, Hörmann und die Maoisten verhindern will, geht am besten gar nicht erst hin oder schreibt ein Gedicht auf den Wahlzettel. Dieser kreative Akt würde mehr bringen, als seine Stimme denen zu geben, denen selbst die Musikschule zuviel Kultur und somit Geldverschwendung ist, die man nur erträgt, weil man glaubt, damit Jugendliche von asozialem Verhalten abhalten zu können. An die Stelle klassischer Musik tritt Blaskappelenmarsch und Bierzeltschlager. Jazz ist für den angestammten Horgauer ohnehin ein Fremdwort.

Alternativvorschläge für den Wahltag und weitere Texte von Interesse finden Sie auf unserer Website antifahorgau.blogsport.de.
Wir sind besorgte Demokraten!

Alles Gute kommt von oben

Unter dem Motto „Alles Gute kommt von oben“ beginnt gerade die Mobilisierung zur Antifademo am 22. Februar anlässlich des Gedenktags zur Augsburger Bombennacht am darauffolgenden Samstag. Wohlgemerkt: die Antifa, d.h. die Gruppen Contra Real und RAY1, mit Unterstützung auch von uns, rufen diesmal nicht primär zu Aktionen gegen die Nazidemo am 23. Februar auf, sondern veranstalten eine eigene Demonstration. Dies hat klare inhaltliche Gründe. Zum einen ist am 23. 2. ohnehin die ganze Stadt gegen Rechts auf der Straße, wieso da noch eine eigene Gegenveranstaltung anmelden? – zum anderen gedenkt die Stadt an diesem Tag genauso den vermeintlichen „deutschen Opfern“ wie die Nazis. Nur das Nazi-Gedenken zu kritisieren und dagegegen zu protestieren hieße zu übersehen, dass dem bürgerliche Gedenken genau dieselben fragwürdigen geschichtsrevisionistischen Thesen zu Grunde liegen. Mit der eigenen Demo am Vorabend geben wir klar zum Audruck, dass wir sowohl das bürgerliche als auch das neonazistische Gedenken kritikabel finden und uns nicht für den Bauch-Antifaschismus der Bürger vor den Karren spannen lassen, sondern inhaltlich eine klare Trennlinie zu beiden Gedenkveranstaltungen ziehen. Die Kritik am bürgerlichen Gedenken und alle weiteren Infos zur Demo sind detailliert auf der Seite allesgute.tk (Direktlink) nachzulesen.

Wer also mehr im Sinne hat, als nur gegen Nazis zu pöbeln, sondern auch seinen Unmut über die bürgerliche Variante des Geschichtsrevisionismus kundtun will, den erwarten wir am 22. Februar um 18 Uhr am Königsplatz.

  1. Radical antifacist youth [zurück]

An unsere katholischen Freunde

Wenn man sich im Gewimmel des katholischen Heiligenpantheons umsieht, stößt man bisweilen auf durchaus sympathische Kuriositäten. So wird in Neapel ein gewisser „Sanctus Januarius“ (italienisch: San Gennaro) als Patron des Doms verehrt. Dieser Heilige war der Legende nach nicht nur ein gewöhnlicher Märtyrer, sondern androgyn, d.h. er vereinigte männliche und weibliche Attribute in sich. So soll er z.B. Monatsblutungen gehabt haben. Zwei Fläschchen dieses männlichen Menstruationsbluts werden bis heute im Dom von Neapel als Reliquie verehrt.
Seltsam ist nur, dass diese Version der Heiligenlegende nur im Umfeld der Nietzsche-Rezeption (Nietzsche widmete dem Heiligen nämlich das 4. Buch der „Fröhlichen Wissenschaft“) überliefert und selbst auf den Online-Heiligenlexika darüber nichts zu finden ist. Hat sich die Bedeutung des Sanctus Januarius im Zuge der Modernisierung der Legende geändert? Wurde der androgyne Charakter des Heiligen im Namen des Kampfes gegen Homosexualität1, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts in ganz Europa tobte, bewusst getilgt?

Das wird so ohne Weiteres nicht zu klären sein, aber zu wünschen wäre, dass sich die katholische Kirche dieser Elemente ihres eigenen Traditionskanons wieder ein bisschen mehr besinnen würde, anstatt Homosexuelle im Sinne einer biblischen Orthodoxie als Sünder zu brandmarken.

  1. Einer der bekanntesten Märtyrer dieses Kampfes dürfte der Schriftsteller Oscar Wilde sein. [zurück]



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