Rechtsextreme Gewalt in Deutschland

Nach neusten Berichten der Verfassungsschutzstellen der Länder, nimmt die Zahl rechtsextremer Gewalttaten in Deutschland weiter zu, es sind 2,5 pro Tag. Obwohl der Schwerpunkt weiterhin in den neuen Bundesländern liegt, zeichnet sich ab, dass in verstärktem Maße auch der Westen Aktionsraum rechter Gruppen ist, was auch der Strategie dieser Gruppen entspricht, materielle und personelle Ressourcen gezielt dorthin zu lenken. Gerade von den „Autonomen Nationalisten“, die ihren Schwerpunkt gerade in Westdeutschland haben (u.a. München, Berlin, Ruhrgebiet), geht ein extrem hohes Gewaltpotential aus, dass sich gegen alle richtet, die sich anders kleiden oder nur anderes aussehen, als es deren Vorstellungen entspricht. Im Grunde sind alle gefährdet, die auch nur einen auffälligen Antifabutton auf ihrer Jacke tragen oder einen punkigen Kleidungsstil haben.

„Autonome Nationalisten“, eine Herausforderung an jede über sich selbst nachdenkende Linke.

Die gegenwärtigen Zahlen werden als „Rekord“ bezeichnet. Es ist zu vermuten, dass rechte Gewalt in der nächsten Zeit eher noch weiter zunehmen als abnehmen wird, wenn die Politik dagegen nichts anders als durch Repressionen vorgeht, so, als wäre rechtsextreme Gewalt etwas vollkommen unerklärliches und würde sich nicht auf Objektivitäten gründen, die es abzuschaffen gälte, wollte man den Neonazismus ernsthaft etwas entgegenhalten. So verlautete der FDP-Innenexperte Max Stadler: „Die ansteigenden Zahlen rechtsextremer Straftaten zeigen, dass mit allen Mitteln des Polizei- und Strafrechts dagegen vorgegangen werden muss.“ Die Probleme werden so nicht gelöst, sondern nur verschoben und unter Umständen sogar noch verschärft: Rechtsxtreme neigen sicher eher zu Gewalt, wenn sie sich unter Druck gesetzt fühlen, Gewalt erzeugt eben Gegengewalt (was nicht die Gegengewalt rechtfertigt, sondern bestenfalls erklärt).
Wenn der Staat ernsthaft an einer radikalen Verhinderung nicht nur rechtsextremer Gewalt interessiert wäre, müsste er sich schon mehr einfallen lassen, als diesen Teufelskreis weiter anzufachen (schließlich ist der Einsatz von staatlicher Repression gegen Rechtsextreme kein neues Konzept). Rechtsextreme Ideologie nährt sich gerade aus Versatztstücken jener Gewaltideologie, wie sie von jenem FDP-Politiker affirmiert wird, rechtsextreme Ideologie nährt sich aus autoritärem staatlichen Handeln, das den Einzelnen keine Autonomie zubilligt und der Abfeierung entindividualisierender Kollektive, wie dies die Kanzlerin zur Weltmeisterschaft tat. Man könnte den Politikern von rechts bis links mit einigem Recht zurufen: das sind die Geister, die ihr selbst gerufen habt!
Aber nicht nur die Politik ist Versagen betreffs dem Neonazismus vorzuwerfen, sondern der ganzen Gesellschaft. Strukturell basiert der Kapitalismus auf Gewalt, Autorität und entindividualisierender Kollektivität wie auf Ausgrenzung und Einkategorisierung, nicht nur in staatlichen Institutionen, sondern gerade in der Familie, den Medien, bis hin in Freundschaften und soziales Verhalten im Allgemeinen. Neonazis verschärfen diese dauerhaft vorhandenen Denk- und Verhaltensstrukturen nur noch, sie erzeugen sie nicht. Diesen Job machen wir alle schon allzugut, gerade, wenn die Zeiten ach so schlimm wie heute sind.
2,5 pro Tag, das mag keine hohe Zahl sein. Die Frage ist nur, wie viele Opfer es noch braucht, bis die Gesellschaft endlich aufwacht und Neonazismus nicht mehr für eine Nebensache hält, sondern für eine Katastrophe.

Anmerkung: Zu diesem Beitrag gibt es einige inhaltlich sehr lesenswerte Kommentare, die man sich als Ergänzung unbedingt durchlesen sollte. Herzlichen Dank an dieser Stelle speziell an „Antifa600″, der ein wirklich aufschlussreiches Kommentar verfasst hat.


11 Antworten auf “Rechtsextreme Gewalt in Deutschland”


  1. 1 linke Zecke 16. Januar 2007 um 22:28 Uhr

    Warum benutzen die Herren nationalen Autonomen dann das Antifa symbol??

  2. 2 Administrator 28. Januar 2007 um 0:06 Uhr

    Stimmt, das tun sie. Warum sie das machen, ist eine gute Frage, frag sie doch am besten selbst. Mag ja sein, dass sie sich selbst nicht als Faschisten sehen und daher mit dem Prädikat „nationaler Antifaschismus“ kokettieren, aber ich glaube, man kann Leute, die für einen völkischen Führerstaat mit homogener Volksmasse eintreten, getrost auch „Faschisten“ bezeichnen, ohne ihnen dabei wesentlich Unrecht zu tun.

  3. 3 antifa6000 28. Januar 2007 um 15:14 Uhr

    Die 2,5 pro Tag sind mit Vorsicht zu genießen. Erst mal gehen nur angezeigte Taten, die auch zu Verurteilungen, Strafbefehlen usw. führen. Beides sind extrem hohe Hürden. Opfer nazistischer Gewalt sind normalerweise Menschen, die marginalisierten und diskriminierten Gruppen zugerechnet werden, also zu Recht sehr geringe Neigung haben, die Staatsgewalt zu informieren. Im Fall von Flüchtlingen und Menschen ist die Gefahr, einfach mal im Abschiebeknast zu landen oder von den Bullen erst mal kräftig verdroschen besonders groß. Eine unsinnige gegenklage von nazis könnte die Abschiebung und damit die Vernichtung der eigenen Existenz bedeuten. Soviel zur Anzeigebereitschaft. Ob die Bullen ermitteln, wie ein Gericht die Sache sieht usw. hängt auch sehr stark vom sozialen Status des Opfers ab. Eine dritte Problematik ist die Umdeutung faschitsischer Gewalt durch die Staatsorgane. Das Prädikat „rechtsextremer Hintergrund“ wird nur in äußerst seltenen Fällen vergeben. Selbst Beschimpfungen a la „Du Neger gehörst vergast“ oder organisierter Nazi-Hintergrund der Täter reicht selten aus. Statt dessen wird das ganze dann häufig als normale Schlägerei, im Fall Nazis schlagen Linke als „Auseinanderstzungen unter Jugend(kulturen)“ oder im Fall Nazis greifen MigrantInnen an als „Ausländergewalt“ gelabelt. Was letzten Endes in der Statistik rauskommt, ist nur ein winziger Bruchteil des alltäglichen Terrors.

  4. 4 linke Zecke 05. Februar 2007 um 19:40 Uhr

    Naja es ist warhaft wichtig sich darüber gedanken zu machen
    Aber die autonomen Nationalisten äusern sich offen gegen antifaschisten, tragen aber deren zeichen und sehensich auch politisch links stehen.
    Ist das Tarnung, antiantifa, …?
    Solln sie doch national sein solange sie damit nicht nationalsozialistisch sind

    …der name lz stammt nicht von mir!

  5. 5 Administrator 08. Februar 2007 um 1:06 Uhr

    Hä? Du bist doch nicht gezwungen, hier den Namen „Linke Zecke“ zu verwenden?

    Naja, wie dem auch sei… sicher sehen sich die „Autonomen Nationalisten“ als links, aber selbst dann würde ich sie noch als politische Gegner betrachten, da sie einige Positionen vertreten, die mit meinen absolut nicht zu vereinbaren sind. Und dass sie sich als „Antifaschisten“ bezeichnen, darüber macht man sich augenscheinlich sogar in rechten Foren, in denen ich mich mal ein bisschen umgeschaut habe, lustig.

    Zu „Solln sie doch national sein solange sie damit nicht nationalsozialistisch sind“: ich halte halt Nationalismus und Emanzipation für unvereinbar. Einem Otto-Normal-Patrioten kann ich vielleicht noch Toleranz entgegenbringen, auch wenn ich ihn nicht leiden kann, aber bei den „Aut. Nat.“ handelt es sich ja wohl um Vertreter eines radikalen Nationalismus, der nun wirklich aus nicht tolerierbar ist. Auch mit einem wirklichen „Links-Sein“ ist er meiner Meinung nach kaum in Verbindung zu bringen, da er ja die Nation als Interessengemeinschaft betrachtet und damit „innernationale“ Klassengegensätze doch letztendlich nivelliert. Kein Wunder, dass Antisemitismus, Antiamerikanismus und Nationalismus auch bei den „Aut. Nat.“ immer Hand in Hand gehen, da sowohl Antisemitismus als auch Antiamerikanismus davon ausgehen, dass das Volkskollektiv selbst nie der Täter schlechter Handlungen, sondern letztendlich immer nur deren Opfer sein kann bzw. von volksfremden Mächten regiert wird.

  6. 6 die roth 08. Februar 2007 um 11:26 Uhr

    weiß nicht klingt vielleicht komisch, aber ich finde alle leute die sich politisch nicht als links äußern oder vor allem anfasistisch lieben nun mal für mich politisch falsch … und leute die nati antifa heißen also die dürfetn dann eh unten durch sein

  7. 7 linke Zecke 08. Februar 2007 um 12:52 Uhr

    Jetzt hastes mir abba gezeigt :)
    Nein ich meine damit dass mir Nationalismus natürlich gehörig auf den **** geht aber dass solange er nicht ernsthaf gefährlich ist , es für mich extremere Probleme zu bekämpfen gibt! (Ausländerhass ect.)
    Ich wollte eher wissen ob sie jetzt für uns antifa als gefährlich einzustuffen sind ?

  8. 8 linke Zecke 08. Februar 2007 um 12:58 Uhr

    Ja ich wollte halt wissen ob sie jetzt so richtig national sind oder gar rechtsextrem?!
    Zugegeben ich bin mir über das Thema noch immer nicht ganz im klaren ,da politisch rechts und links ein gegenspruch sind

    zum einen links
    zum anderen national
    Das verwirrt mich schon etwas!

  9. 9 linke Zecke 08. Februar 2007 um 13:01 Uhr

    zu: „aber bei den “Aut. Nat.” handelt es sich ja wohl um Vertreter eines radikalen Nationalismus, der nun wirklich aus nicht tolerierbar ist“
    Genau das wollte ich wissen! Ob sie wirklich extrem in die RNationale Richtunng gehen oder nicht!
    Selbstverständlich halte ich das für nicht tolerierbar

  10. 10 Administrator 14. Februar 2007 um 20:26 Uhr

    Ja, sicher gehören die „Autonomen Nationalisten“ dem rechtsnationalen Spektrum an, ich glaube, da würden sie sich auch selbst einordnen.
    Also es gibt da halt die „Anti-Antifa“, die auch Antifabuttons tragen (nur mir schwarzer Fahne oben statt roter), die wieder andere als die „nationale Antifa“ sind (Verwirrung pur). Und die sind für Antifaschisten wirklich ziemlich gefährlich, da sie auch eine recht intensive Recherchearbeit betreiben, was heißen soll, dass sie Informationen über Antifaschisten sammeln und dann bei denen auch mal vor der Türe stehen oder so.
    Also es ist halt so, dass man in gewisser Weise links und rechts in manchen Punkten tatsächlich nicht klar trennen dran. Also rechts und antikapitalistisch ist halt absolut kein Widerspruch. Ich denke, es gibt auch viele Gewerkschaftler oder Linksparteiler, die klar rechtes Gedankengut vertreten, obwohl sie sich selbst als „links“ bezeichnen würden.

  1. 1 Neue Zahlen // Antifa Horgau Pingback am 17. April 2008 um 21:50 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.



Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: