Archiv für Dezember 2006

Hafner, der Kritiker

Wie jeder deutsche Kleinbürger entdeckte auch der 1. Bürgermeister von Horgau, Thomas Hafner, zur Weihnachtszeit sein schlechtes Gewissen – dies machte er auch gleich in der Weihnachtsausgabe des „Horgauer Gemeindeblatt“s, die leider noch nicht online ist, publik. Im Leitartikel präsentierte er, für seine konservative Mitbürger- und Wählerschaft, recht ungewöhnliche Töne.
Zunächst beklagt er, dass angesicht der „zunehmenden Atemlosigkeit in unserer Gesellschaft“ gar keine rechte Weihnachtsfreunde mehr aufkommen will. „Wir alle haben Pflichten und Aufgaben, die wir nicht einfach mit Beginn der Adventszeit beiseite legen können. Der „Main Stream“ nimmt keine Rücksicht auf Individuen. Wir müssen funktionieren… Diesen Preis fordert die moderne Welt von uns. Und allzu große Rücksichtnahme auf Schwächere können wir uns nicht mehr leisten, da wir dann selbst unser „Programm“ nicht mehr schaffen.
So weit so gut, die Kritik ist ja nicht ganz falsch, auch wenn sie sich auf so einen so moraltriefenden Anlass wie das selbstzufriedene bürgerliche Geschenkfest Weihnachten bezieht. Allerdings enthält sie auch bereits die Rechtfertigung der gegebenen und als schlecht erkannten Zustände. Hier spricht das entfremdete bürgerliche Individuum aus den Tiefen seiner zerrissenen Seele ohne zu erkennen, dass es ja keine Naturnotwendigkeit ist, dass die „moderne Welt“ so ist, wie sie ist. Es sagt, „ich muss ja“, „ich kann nicht anders“, obwohl es ja, im großen Maßstab gedacht, durchaus anderes möglich wäre. Es würde wohl zu kurz greifen, Herrn Hafner an dieser Stelle Doppelmoral vorzuwerfen. Sicher, es gehört nicht sehr viel Mut dazu, zu Weihnachten ein paar sozialkritische Allgemeinplätze von sich zu geben, sicher, es fällt schon ins Auge, dass 2/3 des Gemeindeblatts aus Weihnachtsanzeigen lokaler Firmen und Vereine bestehen, doch aus Herrn Hafners (Frosch-)Perspektive stimmt seine Sicht der Dinge ja.
Als wäre es jemals anders gewesen! (mehr…)

Die schlafen nicht


Nach der sehr coolen Demo habe ich mir mal die Stellungnahme der NPD Schwaben durchgelesen, die hier nicht verlinkt werden soll (Google hilft da sicher weiter). Neben den üblichen Dissereien und Blödsinnigkeiten, wie auch falschen Angaben (z.B. gibts da plötzlich nur noch 120 Antifaschisten, wos eigentlich mindestens 500 waren – wesentlich mehr als die Nazis), gibt es eine Stelle, die mich echt vom Hocker gerissen hat. Da wird ernsthaft folgendes geschrieben:

Die Verfügung [Anm: das polizeiliche Verbot, in einer Rede über ein laufendes Verfahren zu reden] (unterschrieben von einem Amtsrichter Dr. Bartholy) scheint unter großer Eile bzw. unter großem Druck zustande gekommen zu sein. Sie trägt weder ein Aktenzeichen, enthält Rechtschreibfehler, unterläßt die Rechtsbehelfbelehrung und benennt keine Rechtsgrundlagen. Hier zeigt sich, daß die Augsburger Demo ein Volltreffer war – die Polizeiführung hat offenkundig einiges zu verbergen. Noch nicht einmal das Verlesen der Verfügung war gestattet. Man fühlt sich an Franz Kafkas Roman „Der Prozeß“ von 1924 erinnert, in dem ein unschuldiger Bürger vor Gericht gezerrt wird und die Anschuldigungen nie erfährt.

Diese Selbstverständlichkeit, mit der sich die Rechten hier auf Kafka beziehen ist für mich echt gruselig. Zumal ihnen ja so auch niemand Antisemitismus vorwerfen kann, Kafka war ja schließlich Jude [natürlich sarkastisch gemeint]. Ganz davon abgesehen verwendet die NPD ja auch sonst zahlreiche Begriffe und Formeln, die eigentlich mit „links“ asoziiert werden. So schreibt sie z.B., wir [die Antifaschisten] seien „von den Kirchen, den Blockparteien, Gewerkschaften und Konzernvertretern“ aufgehetzt worden. Ähnlich sieht es auch aus, wenn manche (nicht alle!) klassische Arbeiterbewegungslinke über die NSDAP schwafeln, nur halt mit anderen Schuldigen. (mehr…)




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